VET REKORDER #4 – Wie kommt Wissenschaft in die Tierarztpraxis?

Mit der vierten Ausgabe unseres Podcasts VET REKORDER richten wir den Blick auf eine Frage, die die moderne Tiermedizin wie kaum eine andere prägt: Wie kommt Wissen dorthin, wo Tiere behandelt werden – in die Praxis? Für diese Episode haben wir drei Persönlichkeiten auf dem DVG-Kongress in Berlin getroffen, die diesen Prozess seit Jahren gestalten: Prof. Dr. Martin Kramer, Präsident der DVG, Prof. Dr. Mirja Nolff, Leiterin der Weichteil- und Tumorchirurgie in Zürich, und Prof. Dr. Eva Schnabl-Feichter, Leiterin der Abteilung für Kleintierchirurgie in Wien. Gemeinsam sprechen wir darüber, wie Forschung übersetzt, chirurgische Evidenz vermittelt und neue Erkenntnisse so aufbereitet werden, dass sie im klinischen Alltag wirken. Ab dem 15. Dezember 2025 ist die Episode hörbar – überall da, wo es Podcasts gibt.

Der Weg des Wissens: Von der Forschung auf den Behandlungstisch

Im Gespräch macht Prof. Martin Kramer schnell klar: Wissenstransfer ist kein abstrakter Prozess – er findet dort statt, wo Menschen miteinander reden, lernen und Erfahrungen teilen. Nicht im Elfenbeinturm, sondern mitten in der Tiermedizin. Universitäten, Kliniken, Praxisnetzwerke, Industrie: Für ihn greifen diese Bereiche wie Zahnräder ineinander. Kramer beschreibt, wie sich Wissen heute viel schneller bewegt als früher. Ultraschall, CT, MRT, KI – Entwicklungen, für deren Einführung man früher Jahrzehnte benötigte, erreichen heute in kürzester Zeit die Praxis. Aber nur dann, wenn jemand die Brücke baut. „Wissen muss erklärt, eingeordnet und übersetzt werden“, sagt er. Und genau an dieser Stelle kommt der DVG-Vet-Congress ins Spiel – als Ort, an dem Forschung und Praxis sich wirklich begegnen. Der VET REKORDER greift diese Dynamik auf. Die Episode zeigt, wie sich die DVG neu aufstellt, welche Rolle junge Wissenschaftler:innen im Future Board spielen und warum Formate wie Podcasts, offene Diskussionen und interdisziplinäre Panels den Wissenstransfer verändern. Kramers Botschaft ist klar: Die Tiermedizin lebt davon, dass Wissen geteilt wird. Und genau das macht der VET REKORDER hörbar – beim gemeinsamen Denken, Erklären und Weiterführen von Ideen.

Praxisnähe beginnt im OP – Ein Blick auf die Chirurgie der Zukunft

Weichteil- und Tumorchirurgie ist in der Kleintiermedizin eines der dynamischsten Felder überhaupt. Wer mit Mirja Nolff spricht, merkt sofort: Hier geht es nicht nur um Operationstechniken, sondern um ein Denken in Evidenz und Erfahrung. Sie beschreibt im Gespräch, wie sie ihren Fachbereich seit Jahren weiterentwickelt: datenbasiert, kritisch und immer nah am klinischen Alltag. Gleichzeitig betont sie, dass chirurgisches Wissen nur dann nachhaltig wirkt, wenn es an den richtigen Stellen geteilt wird – sei es in Hospitationen, auf Kongressen oder durch digitale Lernformate. „Wir müssen den Kolleg:innen Werkzeuge geben, die am nächsten Tag funktionieren“, sagt sie. Diese Haltung prägt viele ihrer Vorträge, Kurse und Publikationen. Der VET REKORDER zeigt sie in ihrer typisch klaren Art: analytisch, pragmatisch, fortbildungsorientiert – und immer mit einem Blick auf die Herausforderungen, die im OP wirklich zählen. (Lesen Sie auch: "Die Onkologie-Strategie von Mirja Nolff")

Eva Schnabl-Feichter: Wenn wissenschaftliche Evidenz auf chirurgische Erfahrung trifft

Einen besonders lebendigen Einblick gibt Eva Schnabl-Feichter, die darüber spricht, warum Fortbildungen für sie die wichtigste Brücke zwischen Theorie und Praxis sind. Sie beschreibt, wie schnell sich Wissen verändert und wie entscheidend es ist, wissenschaftliche Ergebnisse so aufzubereiten, dass Praktiker:innen sie aufnehmen und im Alltag einsetzen können. „Ein Vortrag voller Prozentzahlen schreckt viele eher ab“, sagt sie im Interview. Der Schlüssel sei die Balance: harte Fakten, kombiniert mit chirurgischer Erfahrung aus hunderten Operationen. Wenn beides zusammenkommt, entstehen Fortbildungen, die wirklich etwas bewegen. Ihre zentrale Botschaft: Wissenstransfer ist kein Monolog – er ist ein Dialog. Und nur, wenn dieser Dialog auf Augenhöhe stattfindet, entsteht ein echter Mehrwert für die Praxis. Schnabl-Feichters Perspektive ist ein wichtiger Baustein der Episode: Sie zeigt, wie Fortbildung wirkt, wenn sie nah an der Realität bleibt – und warum die Kolleg:innen Fortbildungen brauchen, die Mut machen statt abzuschrecken (Lesen Sie auch: "Wissen entsteht nur, wenn wir es teilen!").

Eine Episode über Haltung – und über Verantwortung

Was diese Folge besonders macht: Es geht nicht nur um Wissen und Forschung, sondern um Haltung. Alle drei Gäst:innen vereint der Gedanke, dass Tiermedizin nur dann stark bleibt, wenn Wissen geteilt und gemeinsam weiterentwickelt wird. Kramer spricht über die Verantwortung wissenschaftlicher Gesellschaften, Nolff über die Rolle universitärer Chirurgie in einer zunehmend spezialisierten Medizin und Schnabl-Feichter über den Wert guter Fortbildung – und darüber, warum sie erst dann wirkt, wenn sie in der richtigen Sprache stattfindet. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild einer Tiermedizin, die sich bewegt: evidenzbasiert, vernetzt, praxisnah, kollegial.

Der VET REKORDER wächst – und Sie können ihn mitgestalten!

Der VET REKORDER entwickelt sich mit jeder Ausgabe weiter – journalistisch, inhaltlich und im Ton. Das Zusammenspiel von Sascha Schiffbauer und Andreas Moll sorgt für kluge Fragen, authentische Einblicke und Gespräche, die nah an der Realität der Tiermedizin bleiben. Und dabei behalten wir immer auch die Humanmedizin im Blick. Jetzt möchten wir von Ihnen hören: Was halten Sie vom VET REKORDER? Welche Themen fehlen Ihnen noch? Welche Expert:innen aus Tier- oder Humanmedizin würden Sie gern im Gespräch erleben? Ihre Ideen helfen uns, den VET REKORDER zu genau dem Format weiterzuentwickeln, das Sie in Ihrem Alltag begleitet, inspiriert und weiterbringt.

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