Vitamin B12-Mangel bei Hunden & Katzen

Laut Wikipedia sind Vitamine organische Verbindungen, die ein Organismus für lebenswichtige Funktionen benötigt, die jedoch der Stoffwechsel nicht bedarfsdeckend synthetisieren kann und also mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Sie werden in wasser- und fettlöslich unterteilt und sind mehr oder weniger gut in der Nahrung verfügbar. Im Studium habe ich gelernt, dass das Vitamin B12 fast ausschließlich in tierischen Produkten (Fleisch, Innereien, Eier…) vorkommt und somit nur Vegetarier ein Problem mit der ausreichenden Versorgung haben. Außerdem legt der Körper auch noch recht große Mengen „auf Vorrat“ ab, um kurzfristige Unterversorgungen überbrücken zu können. So kann beim Menschen der B12-Speicher bis zu 5 Jahre eine Unterversorgung ausgleichen!

Hunde und Katzen werden ja auch zum überwiegenden Teil mit Fertignahrung (Alleinfuttermittel) ernährt und diese müssen von Amts wegen auch Vitamine in bedarfsdeckender Menge enthalten, bzw. zugesetzt werden. Und die Speicher (Leber/Muskeln) sollten ja auch ausreichen, um eine Unterversorgung, z.B. bei Durchfall zu überbrücken. Wieso also finden die Labore häufig im Serum einen zu niedrigen Vitamin B12 Wert?

Das Vitamin B12 (Cobalamin = Alpha(5,6-Dimethlybenzimidazolyl)-cobalamidcyanid) (Bild 1) ist sicherlich das chemisch komplexeste Vitamin. Seine Hauptfunktion ist es als Cofaktor diverser Enzyme an der Übertragung von Methylgruppen (-CH3) zu agieren. Methylierungen spielen im Stoffwechsel sehr häufig eine zentrale Rolle, z.B. bei der Genregulation und der Synthese wichtiger Aminosäuren. Damit ist es entscheidend für die Zellteilung, die Blutbildung, die Funktion des Nervensystems und den Energiestoffwechsel. Ein Mangel wirkt sich entsprechend vielfältig und unspezifisch aus.

Symptome, die mit einem Vitamin B12 Mangel assoziiert sein können, sind:

  • Abgeschlagenheit
  • Abmagerung
  • Anämie
  • Durchfall
  • Neurologische Störungen

Die gute Nachricht: eine B12 Supplementierung ist, vor allem, wenn sie oral durchgeführt wird, ohne bekannte Nebenwirkung, also eine risikoarme Option in der Praxis.

Wie versorgen sich Säugetiere mit diesem wichtigen und komplexen Vitamin?

Nur Bakterien (z.B. Propionobacterium freudenreichii, Salmonella enterica, Listeria innocua und Lactobacillus reuterii) sind in der Lage, dieses hochkomplexe Molekül selber zu synthetisieren. Teilweise „arbeiten“ sogar verschiedene Bakterienarten „arbeitsteilig“ an der Synthese des Cobalamins. Diese besiedeln Pflanzen, die dann Pflanzenfressern als Nahrung dienen, bzw. mit dem den Pflanzen anhaftenden Erdreich aufgenommen werden. Besonders Wiederkäuer haben dann die Möglichkeit, das von den Bakterien im Pansen gebildete B12 aus dem Dünndarm aufzunehmen. In der späteren Darmpassage (Dickdarm) kann das vom dortigen Mikrobiom gebildete B12 nur sehr schlecht resorbiert werden und spielt daher nur eine untergeordnete Rolle in der Versorgung von Säugetieren.

Um den 0,5-3 µg täglichen Verlust auszugleichen, müssen Hunde, Katzen und Menschen das von den Pflanzenfressern aufgenommene B12 aus der Nahrung (Fleisch, Innereien,…) gewinnen. Dafür ist der Aufwand extrem hoch und verläuft in diversen Einzelschritten, die in Grafik 1 dargestellt sind. Cobalamin kann zwar passiv über die Schleimhaut im Mund und Darm aufgenommen werden. Diese Resorption ist jedoch ineffizient, so dass weniger als 1 % einer oralen Dosis aufgenommen werden. Daher wird Cobalamin zusätzlich aktiv im Ileum resorbiert. Dazu wird nutritiv zugeführtes Cobalamin aus Nahrungsproteinen durch Enzyme im Magen und Darm freigesetzt. Zunächst geht es in Verbindung mit Haptocorrinen ein. Im Dünndarm wird Haptocorrin durch pankreatisches Trypsin verdaut und Cobalamin auf den Intrinsic Faktor übertragen. Dieser wird in den Parietalzellen des Magenfundus und -korpus synthetisiert und begleitend zur Salzsäure sezerniert. Der IF-Cobalamin-Komplex ist resistent gegen proteolytische Zersetzung und bindet im Ileum an den Rezeptor Cubilin. In den Enterozyten des Ileums wird der Intrinsic Factor dann aus dem Komplex entfernt und ist damit im Körper angekommen. Nach durchschnittlich sechs Stunden erscheint Cobalamin an Transcobalamin II gebunden als Holo-Transcobalamin im portalvenösen Blut.

Ein B12 Mangel entsteht in der Regel weniger auf Grund einer wirklichen Mangelversorgung, als vielmehr durch Störungen in dem komplexen Prozess der Aufnahme in den Körper!

Ursachen für einen Mangel können sein:

  • Mangelhafte Ernährung: Obwohl ein Mangel durch die Ernährung selten ist, kann eine unausgewogene oder minderwertige Ernährung langfristig zu Defiziten führen.
  • Alter: Ältere Tiere können aufgrund einer verminderten Effizienz des Verdauungssystems anfälliger für einen Mangel sein.
  • Genetische Prädisposition: Einige Rassen, wie der Border Collie, Australian Shepherd, Beagle oder Shar Pei, neigen zu einer genetischen Störung, die die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigt.
  • Erkrankungen des Verdauungssystems: Chronische Darmerkrankungen wie entzündliche Darmerkrankungen (IBD), exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI) oder Darminfektionen können die Aufnahme von Vitamin B12 beeinträchtigen. Auch Magenprobleme (Antacida) haben einen Einfluss auf die Verfügbarkeit/Freisetzung des aufgenommen Cobalamin.
  • Dysbiosen im Darm: Kann zu einem erhöhten Verbrauch des mit der Nahrung aufgenommen B12 durch Darmbakterien führen.
  • Endokrinologische Störungen (Niere, Schilddrüse, Leber, Diabetes) können die Speicherung erschweren oder die Ausscheidung erhöhen. Wichtig zu wissen: Ohne einen B12 Status im Normbereich ist es oft nicht möglich die entsprechende Grunderkrankung in den Griff zu bekommen!

Glücklicherweise ist es problemlos möglich, den B12 Status innerhalb weniger Wochen sicher in den Normbereich zu bekommen. Die notwendige Supplementierung kann mit einem geeigneten Cobalamin Ergänzungsfuttermittel erfolgen. Die Anforderungen an ein geeignetes Produkt sind dabei:

  1. Hoher Gehalt von Cobalamin (10facher Tagesbedarf, am besten in Kombination mit Folsäure)
  2. Geringes allergenes Potential (z.B.: synthetisches Aroma, Kapsel aus HPMC)
  3. Unterstützung des Darmmikrobioms
  4. Einfache tägliche Gabe mit dem Futter

Für die orale Gabe von Cobalamin konnte inzwischen auch gezeigt werden (z.B. Dor et al.. Efficacy and tolerance of oral versus parenteral cyanocobalamin supplement in hypocobalaminaemic dogs with chronic enteropathy: a controlled randomised open-label trial. Journal of Small Animal Practice (2024); 2–12), dass es genauso gut funktioniert, wie die parenterale Supplementierung per Spritze.

FAZIT

Cobalamin spielt eine essentielle Rolle im Stoffwechsel und sollte bei vielen Grunderkrankungen routinemäßig im Serum mitbestimmt werden. Internationale Expert:innen empfehlen die Supplementierung bereits, wenn der Serumwert im unteren Drittel des Normbereichs (<400 ng/L) liegt. Die Supplementierung ist einfach und sicher über geeignete Produkte (z.B. Cobalaplex ®) mit nachgewiesener und publizierter Wirkung innerhalb von ca. 12 Wochen möglich.