Practice Excellence und das „Heiligtum aus Glas“
Es gibt Orte, an denen sofort klar wird: Hier wird Tiermedizin auf einem Niveau betrieben, das sonst nur aus der Humanmedizin bekannt ist. Das Fachzentrum für Kleintiermedizin Langenhagen ist ein solcher Ort – mit einem Operationsbereich, den Dr. Thekla Bogenhagen und Diplomate ECVS Ludo Stegen ehrfürchtig das Heiligtum nennen. Vier hochmoderne, von Arthrex ausgestattete Operationssäle, u. a. mit integrierten Video- und Lichtsystemen für präzise Sicht und Dokumentation – und komplett verglasten Wänden. Was zunächst nur spektakulär aussieht, ist vor allem funktional gedacht: Glas lässt sich vollständig desinfizieren, Keime können sich nicht festsetzen. Das Infektionsrisiko sinkt auf ein Minimum. Und Transparenz wird hier nicht nur baulich, sondern auch im Team gelebt.
„Wenn wir etwas machen, dann richtig“, sagt Ludo Stegen, der gemeinsam mit Thekla Bogenhagen und den Cheftierärztinnen für Innere Medizin, Mona Buschow, und der Bildgebung, Romy Röschke, das Zentrum aufgebaut hat. „Wir wollten alles – CT, MRT, komplette Bildgebung, modernste OP-Technik. Heute wissen wir, dass wir uns damit viel Verantwortung und Stress aufgehalst haben. Aber das Zentrum ist unser Projekt, unser Baby.“
In Containern gestartet!
Die Geschichte des Fachzentrums ist geprägt von Improvisation, Tiefschlägen, Durchhaltevermögen und Teamgeist. Ursprünglich in Containern gestartet – als Übergangslösung für wenige Monate gedacht – wuchs das Team dort von 14 auf fast 50 Mitarbeitende. „Wir haben auf dieser Reise viel gelernt – über Bautechnik, Improvisation und Geduld. Aber am meisten jedoch über unseren Zusammenhalt als Team und die Unterstützung unserer Partner“, erinnert sich Thekla Bogenhagen.
Entstanden ist das Zentrum als erste Neugründung im Netzwerk von Tierarzt Plus Partner (TPP), das seit 2019 Tierarztpraxen
und -kliniken in ganz Deutschland verbindet und entwickelt, um die tiermedizinische Versorgung in Deutschland nachhaltig zu sichern. Wichtig ist es TPP bei den Neugündungen, dass die Entscheidungsfreiheit vor Ort und Identität der Praxis innerhalb der Partnerschaft beibehalten wird. Bogenhagen und Stegen sagen: „Wir wollten ein Zentrum, in dem alle Fachbereiche ineinandergreifen. Wenn die Radiolog:in ein Problem erkennt, ist der Chirurg schon involviert. Wenn ein Patient nach der OP schwächelt, steht die Internist:in bereit. Nur so entsteht Qualität – von A bis Z.“
Unterstützt wurden die beiden von Franc Münow, der in beratender Funktion mit Tierarzt Plus Partner zusammenarbeitet. Münow kennt die Tiermedizin wie seine Westentasche. Jahrzehntelange Erfahrung in der wirtschaftlichen Optimierung von Praxisbetrieben und zugleich ein tiefes Verständnis für die Modernisierung der Tiermedizin prägen seinen Alltag. Für Stegen und Bogenhagen war er von Beginn an ein wichtiger Mentor und Berater: „Franc hat uns gezeigt, wie man Spitzenmedizin mit wirtschaftlicher Stabilität vereint, ohne dabei das Herzstück, die Tiermedizin, aus den Augen zu verlieren.“
Das Fachzentrum beschäftigt inzwischen rund 50 Mitarbeitende. Die Klinik bietet ein breites Spektrum an Fachrichtungen – von Chirurgie, Orthopädie und Neurologie über Innere Medizin bis zur bildgebenden Diagnostik. Doch das Wachstum fordert seinen Preis. „Es hat Nerven und graue Haare gekostet“, aber das Ergebnis ist es wert", sagt Stegen offen.
Wir haben hohe Ansprüche – an uns selbst, an unsere Arbeit und an die, die mit uns arbeiten."
Menschen, die für den Job brennen
Was das Team heute ausmacht, ist mehr als Technik. „Wir suchen keine Kolleg:innen, die einfach einen Job machen wollen“, betont Bogenhagen. „Wir suchen aktuell vor allem TFAs, die für den Beruf brennen, die Verantwortung übernehmen, die lernen und sich weiterentwickeln wollen. Wer hier arbeitet, soll mit Überzeugung Teil dieses Projekts sein.“ Die Stimmung in der Klinik ist trotz hoher Ansprüche familiär. Hier wird viel gelacht, aber auch konsequent gearbeitet. „Wir sind zwei Perfektionisten“, sagt Stegen über die Zusammenarbeit mit Dr. Bogenhagen. „Sie ist die Strukturierte, ich bin der Handwerker. Wir ergänzen uns perfekt.“
Kommunikation als Schlüssel
Ein zentrales Element des Erfolgs ist die Kommunikation – nach innen wie nach außen. In einem Überweisungszentrum, in dem täglich komplexe Fälle behandelt werden, entscheidet sie oft über den Verlauf eines Patienten. „Gute Medizin entsteht im Dialog“, sagt Dr. Thekla Bogenhagen. „Zwischen Chirurg:innen, Bildgebung, Internist:innen, Station und Verwaltung – aber genauso mit den überweisenden Kolleg:innen, die uns ihr Vertrauen schenken.“ Im Fachzentrum wird Kommunikation als aktiver Prozess verstanden: Kollegiale Übergaben, kurze Feedbackschleifen, strukturierte Fallbesprechungen und ein offener Austausch mit den Überweisungspraxen gehören zum Alltag. Ziel ist es, Patient:innen sicher und reibungslos durch Diagnostik, OP und Nachsorge zu führen sowie gleichzeitig Transparenz und Vertrauen zu schaffen. „Wir wissen, dass gute Zusammenarbeit auf gegenseitigem Verständnis beruht“, ergänzt Ludo Stegen. „Wenn alle Beteiligten auf Augenhöhe miteinander sprechen, profitieren am Ende vor allem die Tiere.“
Zwischen Anspruch und Achtsamkeit
Perfektion hat jedoch ihren Preis. Nach Jahren des Aufbaus und unzähligen Nachtschichten weiß Stegen heute, dass auch ein Chirurg Grenzen braucht. „Ich war früher bis Mitternacht in der Klinik. Heute weiß ich, dass man auch mal raus muss – sonst frisst einen die Arbeit auf.“ Angst im OP kennt er trotzdem nicht. „Ein guter Chirurg hat keine Angst, nur Respekt“, sagt er. „Angst führt zu Fehlern. Und Fehler darf es nicht geben, wenn man mit Lebewesen arbeitet.“
Wissenstransfer
Neben seiner Tätigkeit im OP ist Stegen als Consultant und Instructor für Arthrex europaweit aktiv und schult Kolleg:innen in modernen Operationstechniken. Doch auch in Langenhagen soll Wissen künftig eine noch größere Rolle spielen: Direkt angrenzend an die Klinik entsteht derzeit ein Fortbildungszentrum, das 2026 eröffnet werden soll. „Wir wollen praxisnahe Weiterbildung bieten - auf unserem Niveau, mit unseren Ansprüchen“, erklärt Stegen. „Von Chirurg:innen für Chirurg:innen.“ Das Ziel: ein Ort, an dem Wissen, Erfahrung und Leidenschaft zusammenkommen.
„Wir haben hohe Ansprüche – an uns selbst, an unsere Arbeit und an die, die mit uns arbeiten. Das ist manchmal anstrengend, aber genau das macht den Unterschied“, sagt Stegen zum Abschied – und verschwindet wenige Minuten später wieder im OP. Was dort passiert, bleibt im OP. Doch der Eindruck bleibt: In Langenhagen entsteht ein neues Kapitel moderner Tiermedizin – gläsern, konsequent und vor allem mit Herzblut.
Andreas Moll