Labordiagnostische Aufarbeitung von Durchfall bei Hund und Katze: Fokus Kotuntersuchung
Durchfall ist ein häufiger Vorstellungsgrund bei Hund und Katze in der tierärztlichen Praxis. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von extraintestinalen Faktoren über infektiöse, parasitäre und entzündliche Darmerkrankungen bis hin zu neoplastischen Prozessen. Eine ausführliche Anamnese (vor allem Differenzierung akuter oder chronischer Durchfall - siehe Tabelle 1) ist neben einer klinischen Untersuchung der erste Schritt, um eine Eingrenzung der Differentialdiagnosen vorzunehmen. Laboruntersuchungen helfen, die Ätiologie zu klären, den Schweregrad zu beurteilen und die Therapie zu steuern.
Die diagnostische Untersuchung von Kotproben sollte immer eine parasitologische Abklärung als Basisdiagnostik beinhalten und anschließend je nach Anamnese und klinischem Verdacht durch weiterführende Untersuchungen ergänzt werden.
- Basisuntersuchung: Parasitennachweis
- Weiterführende Untersuchung (Fallbasiert):
- Nachweis pathogener Viren oder Bakterien
- Biomarker Kot
Parasitennachweis
Die Untersuchung von Kotproben auf Parasiten ist vor allem bei jungen Hunden und Katzen (< 1 Jahr) und Fällen einer akuten Diarrhoe unerlässlich. Eine Infektion mit Endoparasiten bei Hunden und Katzen in Deutschland ist über alle Altersklassen häufig (30,4 % und 22,8 %), wobei das Infektionsrisiko bei Welpen (< 6 Monaten) am höchsten ist. Ob eine Infektion mit Endoparasiten zu einer klinischen Symptomatik führt, hängt von diversen Faktoren (Alter des Tieres, Immunstatus, Erregerlast etc.) ab. Wird ein Wurmbefall nachgewiesen, sollte eine Entwurmung mit einem geeigneten Anthelminthikum erfolgen.
Da manche Wurmeier nur intermittierend ausgeschieden werden, empfiehlt sich die Einsendung von Sammelkot (3 aufeinanderfolgende Kotabgänge). Im Labor wird der Kot anschließend mittels Flotationsverfahren auf Wurmeier untersucht. Häufige Protozoen (Einzeller), die als Ursache für Durchfall in Frage kommen, sind Giardia intestinalis (Hund und Katze) sowie Tritrichomonas blagburni (Katze).
Ein Giardienbefall wird am besten über einen Antigentest (ELISA) nachgewiesen, der im Vergleich zum Direktnachweis sensitiver ist. Giardien weisen weltweit eine sehr hohe Prävalenz (Deutschland: bis 30 % Hund, bis 25 % Katze) auf und finden sich sowohl bei Tieren mit als auch ohne Durchfall. Die Wahrscheinlichkeit einer Giardien-assoziierten Erkrankung hängt v.a. vom Wirt (junge, immunsupprimierte Tiere) ab. Eine Therapie sollte daher immer im Zusammenhang mit dem klinischen Kontext erfolgen. Kontrolluntersuchungen empfehlen sich innerhalb der ersten Woche nach Behandlung. Insbesondere junge Tiere entwickeln oftmals keine ausreichende Immunität gegen Giardien und es besteht das Risiko einer Reinfektion.
Vor allem bei jungen Katzen (< 2 Jahre) aus Mehrkatzenhaushalten kann als Ursache für chronischen (Dickdarm-) Durchfall eine Infektion mit Tritrichomonas blagburni (foetus) vorliegen. Die Diagnostik erfolgt am besten mittels PCR. Da ein Befall mit Tritrichomonas einer spezifischen Therapie bedarf, ist diese Untersuchung bei Katzen mit unklaren Durchfällen dringend anzuraten.
Kotuntersuchungen auf Bakterien und Viren
Die im Rahmen einer routinemäßigen bakteriologischen Kotuntersuchung nachweisbaren Bakterien spiegeln das tatsächliche Darmmikrobiom nicht wider, da dieses überwiegend aus sauerstoffempfindlichen Bakterien besteht. Daher ist eine kotbakteriologische Untersuchung zur Beurteilung der Darmflora nicht sinnvoll. Eine mikrobiologische Untersuchung des Kotes auf einzelne darmpathogene Bakterien (z.B. Salmonellen, Campylobacter etc.), kann in Fällen einer akuten Symptomatik sinnvoll sein. Die Einleitung einer Therapie ist nur in Fällen einer sehr schweren akuten Symptomatik als Einzelfallentscheidung zu erwägen, da die Ausscheidungsdauer dieser auch humanpathogenen Keime durch eine antibiotische Therapie verlängert werden kann. Weiterhin sollte - je nach klinischer Verdachtsdiagnose - die Abklärung verschiedener darmpathogener Viren (z.B. Parvovirus, Coronavirus etc.) mittels Schnelltest oder PCR erfolgen.
Okkultes Blut
Der Nachweis eines gastrointestinalen Blutverlustes im Kot kann in einzelnen Fällen bei Verdacht auf blutende Tumore oder Ulzerationen im Magen-Darm-Trakt indiziert sein. Die Bestimmung erfolgt mit einem Guajak-Test (Hund und Katze), der auf vorhandenes Hämoglobin im Kot mit einem Farbumschlag reagiert. Vor Testung sollte deshalb auf eine Rohfleischfütterung 3 Tage vor Testdurchführung verzichtet werden. Alternative ist neuerdings auch ein artspezifischer immunologischen Test auf canines Hämoglobin (für die Katze aktuell noch nicht verfügbar). Mit diesem Test sind keine Diäteinschränkungen notwendig und die Gefahr ernährungsbedingter falsch positiver Resultate ist geringer.
Canine fäkale Elastase
Bei der caninen fäkalen Elastase handelt sich um ein Verdauungsenzym, welches von der Bauchspeicheldrüse produziert, in den Darm abgegeben und schließlich über den Kot ausgeschieden wird. Beim Hund kann die Elastase im Kot über einen immunologischen Test (ELISA) nachgewiesen werden. Die fäkale Elastase ist ein nicht invasiver Parameter zur Diagnose einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (EPI) und ist vor allem als Screeningparameter geeignet, da normale Elastasewerte eine EPI weitgehend ausschließen. Erniedrigte Werte können sich auch bei gesunden Hunden oder Hunden mit Durchfall (Kotverdünnung) finden und sollten daher immer mit einer serologischen Bestimmung der cTLI abgesichert werden.
α1-Antitrypsin (α1-Proteinase Inhibitor)
α1-Antitrypsin (α1-AT) ist ein Plasmaprotein mit einer ähnlichen molekularen Masse wie Albumin. Bei Vorliegen einer Störung der Darmbarriere, geht α1-AT daher in einem ähnlichen Ausmaß wie Albumin verloren, wird aber anders als Albumin nicht im Kot abgebaut und kann daher gemessen werden. Der Nachweis von fäkaler α1-AT wurde beim Hund – insbesondere bei prädisponierenden Rassen wie dem Soft Coated Wheaten Terrier – als Frühmarker für eine sich entwickelnde Protein-Verlust-Enteropathie (PLE) (bei noch normalem Albuminwert) untersucht. Ein weiteres Einsatzgebiet kann die Abklärung einer unklaren Hypoproteinämie/ Hypoalbuminämie sein, da eine PLE nicht zwingend mit Durchfall einhergehen muss.
Calprotectin
Calprotectin (S100A8/A9) ist ein Protein aus aktivierten neutrophilen Granulozyten und Makrophagen, welches im Rahmen entzündlicher Erkrankungen des Darmes in höherem Maße im Kot freigesetzt wird. Studien zeigen, dass Hunde und Katzen mit entzündlichen Darmerkrankungen höhere Werte als gesunde Tiere aufweisen. Da Calprotectin nicht krankheitsspezifisch ist (es kann auch bei bakteriellen Infektionen, Parasitosen etc. erhöht sein) und eine Calprotectinkonzentration im Normbereich eine Darmerkrankung nicht ausschließt, ist die Bestimmung in der Praxis nur für spezielle Einzelfälle zu erwägen.
Take Home Message
Die Untersuchung von Kotproben ist ein wichtiger Bestandteil der diagnostischen Aufarbeitung von Durchfallerkrankungen beim Kleintier. Neben einem routinemäßigen Parasitenscreening, sollte die Entscheidung weiterer Untersuchungen fallbasiert erfolgen.
Literatur
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