CBCT: Paradigmenwechsel in der Diagnostik

Die dreidimensionale Bildgebung verändert die Veterinärmedizin derzeit grundlegend. Technologien, die früher fast ausschließlich großen Kliniken vorbehalten waren, werden zunehmend auch in spezialisierten Tierarztpraxen verfügbar. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Cone Beam CT (CBCT), das sich in den vergangenen Jahren vom Nischenverfahren zu einem wichtigen Instrument der modernen Diagnostik entwickelt hat. Gregor Tauschitz, Gründer der VISIOVET Medizintechnik GmbH, gehört zu den Unternehmern, die diese Entwicklung im deutschsprachigen Raum früh erkannt und aktiv begleitet haben. Mit mehr als 50 installierten Systemen verfügt VISIOVET heute über umfassende praktische Erfahrung mit CBCT in der tierärztlichen Anwendung. Im Gespräch geht es um die Frage, warum sich CBCT gerade jetzt durchsetzt – und welche Rolle spezialisierte Bildgebung künftig in Tierarztpraxen spielen wird.

CBCT: Vom Nischenprodukt zur klinischen Realität

Der Weg dorthin war jedoch kein Selbstläufer. Frühere Systeme konnten die Erwartungen im Markt nicht immer erfüllen, Vertrauen ging verloren. Erst in den vergangenen zwei bis drei Jahren hat sich das Bild grundlegend gewandelt. „Richtig Fahrt aufgenommen hat das Thema erst in den letzten Jahren“, sagt Tauschitz. Parallel dazu hat sich auch die Wahrnehmung verändert: CBCT wird nicht mehr nur als Ergänzung gesehen, sondern zunehmend als eigenständige diagnostische Plattform.

In der idealen veterinärmedizinischen Welt stünden CT, MRT und CBCT parallel zur Verfügung. In der Praxis scheitert das jedoch meist an drei Faktoren: Platz, Personal und Investitionsbudget. Genau hier liegt die Stärke des CBCT. „Ich brauche in der Praxis das System, das die größte Bandbreite abdeckt“, beschreibt Tauschitz die Entscheidungslogik vieler Tierärzt:innen. Statt mehrere hochspezialisierte Geräte vorzuhalten, geht es darum, möglichst viele Fragestellungen mit einer Technologie abbilden zu können. Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt: Während klassische CT-Systeme hohe laufende Kosten verursachen, ist das CBCT deutlich effizienter zu betreiben.

Mit über 50 installierten Systemen bringt VISIOVET viel praktische Erfahrung in die Entwicklung ein. Entscheidend sei jedoch der Blick in die Praxis, so Tauschitz: „Ich kann viel erzählen – aber wer sich für CBCT interessiert, sollte sich das unbedingt live anschauen. Aug’ in Aug’, im echten Betrieb.“

Mehr als Dental: ein wachsendes Einsatzspektrum

Lange war das CBCT vor allem in der Dentaldiagnostik etabliert – und ist dort weiterhin Goldstandard. Doch das Einsatzspektrum hat sich deutlich erweitert. Heute wird die Technologie zunehmend auch in der Orthopädie, bei HNO- und Schädeluntersuchungen sowie in ausgewählten thorakalen und abdominalen Fragestellungen eingesetzt. Auch in der Neurologie und Wirbelsäulendiagnostik gewinnt das CBCT an Bedeutung.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die technologische Weiterentwicklung, etwa durch Dual-Energy-Verfahren. Diese ermöglichen zusätzliche diagnostische Informationen und erweitern die Einsatzmöglichkeiten deutlich. Auffällig ist, dass viele Innovationen nicht allein von Herstellern ausgehen, sondern aus der Anwendung selbst entstehen. Der Austausch zwischen Anwender:innen spielt dabei eine zentrale Rolle. „Oft zeigen uns die Kund:innen, was mit der Technologie alles möglich ist“, so Tauschitz. Neue Indikationen entstehen im klinischen Alltag und treiben die Entwicklung schneller voran, als es klassische Produktzyklen erwarten lassen.

CBCT und CT: Konkurrenz oder Ergänzung?

Trotz aller Dynamik bleibt eine klare Einordnung wichtig: CBCT ist nicht „das bessere CT“, sondern eine eigenständige Technologie mit spezifischen Stärken. Während CT und MRT weiterhin bei komplexen Weichteilfragestellungen unverzichtbar sind, deckt CBCT einen immer größeren Teil des diagnostischen Spektrums ab. Die Grenze zwischen den Verfahren verschiebt sich dabei kontinuierlich. „Der Bereich, in dem das klassische CT einen klaren Vorteil hat, wird immer kleiner“, beschreibt Tauschitz diese Entwicklung.

Die eigentliche Dynamik sieht Tauschitz jedoch in der Software. Künstliche Intelligenz, neue Rekonstruktionsverfahren und verbesserte Auswertungsmethoden werden die Bildgebung in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Seine Einschätzung ist eindeutig: „Die Antwort auf die Frage, welche 3D-Bildgebung die größte Bandbreite bietet, ist immer häufiger: CBCT.“

Fazit

CBCT entwickelt sich zunehmend vom Spezialwerkzeug zum zentralen Baustein moderner Diagnostik. Nicht, weil es alle anderen Verfahren ersetzt, sondern weil es für viele Praxen genau das bietet, was im Alltag zählt: breite Einsetzbarkeit, wirtschaftliche Tragfähigkeit und kontinuierlich wachsende diagnostische Möglichkeiten.