Cold Plasma in der felinen Wundbehandlung – erste klinische Erfahrungen aus der Praxis

Chronische, infizierte oder schlecht heilende Wunden stellen im klinischen Alltag der Kleintierpraxis weiterhin eine therapeutische Herausforderung dar. Neben einer effektiven lokalen Antisepsis gewinnt dabei auch der verantwortungsvolle Einsatz systemischer Antibiotika im Sinne eines Antibiotic Stewardship zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund rücken alternative oder ergänzende Verfahren der lokalen antimikrobiellen Therapie und Wundheilungsförderung stärker in den Fokus. Ein Ansatz ist die Anwendung von kaltem atmosphärischem Plasma (cold plasma), bei dem unter anderem reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies (ROS/RNS) entstehen, die sowohl antimikrobiell wirken als auch regenerative Prozesse im Gewebe stimulieren können.

Seit Ende Januar setze ich in meiner Kleintierpraxis in Dresden das AMAMUS Vet coldPlasma-System in der lokalen Wundbehandlung ein. In den ersten Wochen wurde die Kombination aus AMAMUS Vet RINSE, coldPLasma und Dermcare bei unterschiedlichen Indikationen eingesetzt – häufig ohne zusätzliche systemische Antibiotikatherapie. Ziel war es, eine effektive lokale antimikrobielle Behandlung mit einer Förderung physiologischer Wundheilungsprozesse zu verbinden. Bereits nach den ersten Anwendungen fiel eine rasche Veränderung des Wundmilieus auf. In vielen Fällen zeigte sich eine schnelle Reduktion der Exsudatbildung, eine frühe Ausbildung vitalen Granulationsgewebes sowie eine zügige Epithelisierung.

Analbeutelabszesse

Zu den ersten Patienten gehörten zwei Katzen mit tiefen Analbeutelabszessen und ausgeprägten nekrotischen Gewebeanteilen. Beide Tiere wurden ausschließlich lokal behandelt, ohne systemische Antibiose. Die Therapie bestand aus einer initialen Spülung mit AMAMUS Vet RINSE zur mechanischen Reinigung und lokalen Antisepsis, gefolgt von der Behandlung mit coldPLasma und der lokalen Applikation von Dermcare.

Bereits nach der ersten Behandlung zeigte sich eine deutliche Verbesserung des Wundbildes. Nekrotische Gewebeanteile begannen sich rasch zu lösen, die Exsudation ging deutlich zurück und die Wundflächen trockneten sichtbar ab. Gleichzeitig entwickelte sich rasch gut durchblutetes Granulationsgewebe. Klinisch zeigte sich eine deutliche Kontraktion der Wundränder sowie eine rasch einsetzende Epithelisierung vom Wundrand aus. Auffällig war zudem eine vergleichsweise geringe Schmerzreaktion der Tiere. Die vollständige Abheilung erfolgte nach fünf Behandlungen bei einer Katze mit Halskragen und nach sechs Behandlungen bei einer Katze ohne Halskragen.

Bei einer der Katzen kam es zu einem besonderen Verlauf: Während eines Urlaubs der Besitzer:innen wurde das Tier zwischenzeitlich von einem Kollegen betreut und aufgrund einer Verschlechterung mit systemischen Antibiotika behandelt. Bei der Wiedervorstellung eine Woche später zeigte sich trotz Antibiose ein ungünstigeres Wundbild als bei der Erstvorstellung. Nach Absetzen der Antibiotikatherapie wurde die lokale Behandlung mit AMAMUS Vet fortgeführt. Trotz dieser Unterbrechung heilte die Läsion nach insgesamt fünf Anwendungen vollständig ab.

Nach den ersten Wochen praktischer Anwendung hat sich das AMAMUS Vet System als wertvolle Ergänzung im lokalen Wundmanagement erwiesen. Die lokale antimikrobielle Wirkung erscheint in vielen Fällen mit der einer antibiotischen Therapie vergleichbar."

Dr. Angela Eißner, Dresden

Verbrennungen und traumatische Verletzungen

Ein weiterer eindrucksvoller Fall war eine Katze mit thermischen Verbrennungen an allen vier Pfoten nach Kontakt mit einer heißen Herdplatte. Aufgrund der Befundlage entschied ich mich für eine konservative Wundbehandlung ohne chirurgische Intervention. Nach Spülung mit AMAMUS Vet RINSE erfolgte die Behandlung mit coldPLasma sowie die lokale Applikation von Dermgel. Die verbrannte Haut wurde bewusst als biologischer Wundverband belassen, um das darunterliegende Gewebe zu schützen. Bereits nach der ersten Behandlung zeigte die Katze eine deutlich reduzierte Schmerzreaktion. Auch der weitere Heilungsverlauf war bemerkenswert: Die Regeneration erfolgte sichtbar aus der Tiefe heraus, während sich die nekrotischen Hautareale nicht großflächig ablöstten. Bei thermischen Hautverletzungen beobachte ich in der Praxis häufig sekundär größere offene Wundflächen mit entsprechend erhöhtem Infektionsrisiko. In diesem Fall verlief die Heilung jedoch stabil und komplikationsarm ohne systemische Antibiose. Nach vier Behandlungen war eine vollständige Abheilung erreicht.

Auch bei traumatischen Verletzungen zeigte sich eine rasche Gewebereaktion. Eine Katze hatte sich beim Herunterholen aus einem Baum mehrere Krallen teilweise oder vollständig ausgerissen. Die Krallenbetten waren bei der Vorstellung blutend, entzündet und teilweise sekundär infiziert. Die Behandlung erfolgte ausschließlich lokal mit RINSE, coldPLasma und Dermcare. Die Entzündung ging rasch zurück und die Krallenbetten zeigten eine schnelle Epithelisierung. Besonders auffällig war die Geschwindigkeit der Geweberegeneration.

Ein weiterer Patient stellte sich mit einer tiefen Schnittverletzung am Ballen vor. Auch hier erfolgte die Behandlung ausschließlich lokal mit AMAMUS Vet RINSE, coldPLasma und Dermgel. Eine systemische Medikation – insbesondere Antibiotika – war nicht erforderlich. Bereits nach der ersten Behandlung zeigte sich eine deutliche Stabilisierung der Wunde mit beginnender Granulation.

Klinische Beobachtungen aus der Praxis

Neben den beschriebenen Katzenfällen wurde das System auch bei weiteren Indikationen eingesetzt, darunter Bissverletzungen, dermatologische Infektionen sowie entzündliche Hautveränderungen. In vielen dieser Fälle zeigte sich bereits nach wenigen Behandlungen eine deutliche Reduktion der Exsudatbildung sowie eine rasche Ausbildung von Granulationsgewebe und eine zügige Epithelisierung.

Auch die Akzeptanz bei den Tierhalter:innen ist hoch. Nach entsprechender Aufklärung über die Methode wird die Behandlung in der Regel gut angenommen, insbesondere wenn erklärt wird, dass in vielen Fällen auf eine systemische Antibiotikatherapie verzichtet werden kann.

Take-Home-Message

Nach den ersten Wochen praktischer Anwendung hat sich das AMAMUS Vet System als wertvolle Ergänzung im lokalen Wundmanagement erwiesen. Die lokale antimikrobielle Wirkung erscheint in vielen Fällen mit der einer antibiotischen Therapie vergleichbar. Besonders auffällig ist jedoch die Förderung der Geweberegeneration mit schneller Granulationsbildung und Epithelisierung. Gerade bei infizierten oder schlecht heilenden Wunden stellt dies aus meiner Sicht einen vielversprechenden therapeutischen Ansatz dar.