LUNCHgespräch mit Simon Weber: "Tahini-Quinoa & Tiergesundheit"

In unserer neuen Rubrik „LUNCHgespräche“ treffe ich in loser Folge Persönlichkeiten, die die Veterinärmedizin prägen – zum Mittagessen. Ob Mensa-Klassiker, Suppe im Café, Bowls beim Lieblingsasiaten oder ein spontanes Sandwich zwischen zwei Terminen: Im Mittelpunkt stehen Menschen aus Tiermedizin, Wissenschaft und Industrie und die Fragen, die sie fachlich und persönlich bewegen. Die Atmosphäre ist unkompliziert, der Tisch ist gedeckt – und die Gespräche sind offen.

Für dieses LUNCHgespräch treffe ich Simon Weber, der gerade die Vertriebsleitung von Hill’s für die DACH-Region übernommen hat, in der Eppendorfer Insel, einem Restaurant, das Spezialitäten aus der mediterranen Küche anbietet. Während auf unseren Tellern Tahini-Quinoa mit Zucchini, Karotten, cremiger Tahinisauce und Räucherpaprika landet, reden wir über vieles, was Simon Weber bewegt: seinen Weg aus der Konsumgüterwelt in die Tierernahrung, seinen Blick auf Tierärzt:innen – und warum wissenschaftlich fundiertes Futter für ihn mehr ist als ein Produkt, nämlich ein echter Beitrag zur Tiergesundheit. Es geht um Branchenwechsel, kulturelle Aha-Momente, Bürohunde und die Frage, wie man Ernährung in der tierärztlichen Beratung stark macht.

Simon Weber hat ursprünglich Betriebswirtschaft studiert und durchlief berufliche Stationen bei Henkel und Philips, bevor er in die Tierernährungsbranche wechselte. Der Wechsel zu Hill’s, nach mehreren Jahren bei einem direkten Wettbewerber, war für ihn eine fachliche Entscheidung: Beide Unternehmen arbeiten wissenschaftsbasiert und verfolgen vergleichbare ernährungsphysiologische Grundprinzipien. „Ich würde nie zu einer Marke wechseln, deren Fundament nicht evidenzbasiert ist“, sagt er. Die Anpassung fiel ihm leicht - auch privat, denn sein Hund Suki akzeptierte das neue Futter ohne Probleme.

Bürohunde & flache Hierarchien

Interessant ist für Weber bis heute der deutliche Kulturunterschied zur klassischen Konsumgüterindustrie. Während er zuvor in eher formellen Strukturen arbeitete, erlebte er die Tierbranche als deutlich offener und praxisorientierter. Bürohunde, flache Hierarchien und ein informeller Umgangston seien für ihn zunächst ungewohnt gewesen, spiegelten aber gut wider, wie nah Beruf und persönliches Interesse in dieser Branche beieinanderliegen.

Ernährungsberatung in der Tierarztpraxis

Ein Schwerpunkt unseres Gesprächs ist die Rolle der Tierärzt:innen in der Ernährungsberatung. Weber beobachtet, dass viele Tierhalter:innen durch widersprüchliche Informationen aus Fachhandel, Social Media und persönlichen Netzwerken verunsichert sind. Gleichzeitig würden manche Praxen das Thema Ernährung im Alltag noch nicht systematisch genug adressieren. Aus seiner Sicht unterschätzen manche, wie groß der Einfluss von Futter auf Prävention, Krankheitsverlauf und Lebensqualität sein kann - insbesondere bei chronischen Erkrankungen oder Übergewicht. Ein weiteres Thema ist die Abgrenzung zwischen veterinärmedizinischen Diäten und frei verkäuflichen Produkten im Handel. Weber erläutert, dass sich viele Sorten im Verpackungsdesign ähneln, in Zusammensetzung und Wirkweise jedoch deutlich unterscheiden. Für Laien sei das oft nicht erkennbar. „Die in Studien erprobte Wirkung lässt sich nicht einfach durch ähnlich klingende Produktnamen substituieren“, erklärt er. Genau hier sieht er eine zentrale Aufgabe des tierärztlichen Teams, vor allem, weil falsch eingesetzte Produkte Krankheitsbilder nicht stabilisieren oder sogar verschlechtern können.

Beim abschließenden Kaffee spricht Weber über die internationale Größe von Hill's und die enge Anbindung an universitäre Forschungseinrichtungen. "Studien, Evidenz und Kooperationen mit Hochschulen seien deutlich stärker in der Unternehmensstruktur verankert, als ich vor seinem Wechsel erwartet hatte", erklärt der Vertriebsleiter. Dazu komme eine zunehmend engere Verzahnung zwischen Hill’s und dem zahnmedizinischen Außendienst von Colgate: gemeinsame Systeme, Schulungen und Workshops schaffen Synergien, da beide Teams mit medizinischem Fachpersonal arbeiten und präventive wie therapeutische Empfehlungen geben.

Andreas Moll