Veternicum Nesto im Wandel
Konstantin Bosch, 34, ist neuer Geschäftsführer des Praxisverbunds Veternicum Nesto. Er bringt umfangreiche Erfahrung aus der Führung großer dezentraler Organisationen mit – zuletzt leitete er sechs Jahre lang Deutschlands größten privaten Kita-Träger mit 130 Einrichtungen. Zudem war er in der Beratung, der Humanmedizin und für Dentalketten tätig. Seine Motivation: komplexe Netzwerke nachhaltig, wertschätzend und mit einer klaren Vision weiterzuentwickeln.
Was Veternicum Nesto besonders macht ...
Bosch betont im Gespräch mit JUST4VETS mehrfach, dass der Verbund kein Konzern sein wolle und bewusst auf nachhaltiges, schrittweises Wachstum setzt. Im Zentrum stehen die Autonomie und Identität der einzelnen Praxen: Es gibt kein gemeinsames Branding, keine Vereinheitlichung. Jede Praxis bleibt individuell -unabhängig von Standort, Größe oder Historie.
Ein weiterer Unterschied ist das Co-Ownership-Modell: Praxisinhaber:innen können nach dem Verkauf weiterhin Anteile halten und unternehmerisch eingebunden bleiben. Dieses Modell ist in Belgien bereits Standard (über 95 Prozent der Praxen), in Deutschland etwa zur Hälfte verbreitet. Bosch sieht darin Vorteile für Bindung, Motivation und gemeinsame Weiterentwicklung.
Nachhaltiges Wachstum statt Übernahmesprinter
Veternicum Nesto möchte wachsen, aber nur, wenn die neue Praxis wirklich zum Verbund passt. Schnelle, überhitzte Integrationsprozesse („vergiftetes Wachstum“) möchte Bosch unbedingt vermeiden. Der Fokus liegt klar auf Stabilität, Weiterentwicklung der bestehenden Standorte und der Fähigkeit der Zentrale, Services in angemessenem Tempo auszubauen.
Praxistour & Zukunft des Verbunds
Zu Beginn seiner Tätigkeit hat Bosch alle deutschen Praxen besucht. Die Erkenntnis: Die Unterschiede sind groß – ländlich/urban, kleine und große Teams, unterschiedliche Spezialisierungen, verschiedene Geschichten und Herausforderungen. Genau diese Vielfalt betrachtet er als Wert und nicht als Belastung: Der Verbund soll unterstützen, aber nicht vereinheitlichen. Bosch betont die Bedeutung stabiler Teams. Gute Mitarbeitende zu halten sei wichtiger und wertvoller als ständig neues Personal zu rekrutieren. Dafür investiert Veternicum Nesto stark in Fortbildung, Führungskräfteentwicklung, Nachwuchsprogramme und die Begleitung junger Tierärzt:innen im Übergang von der Universität in die Praxis. 2026 sollen die Tierärzt:innen im Verbund stärker vernetzt werden – durch physische Treffen, gemeinsame Events und Austauschformate. Zudem soll der Verbund sichtbarer werden: Messeauftritte, Recruiting-Aktivitäten und die Kommunikation des Co-Ownership-Modells.
Blick auf die Branche
Bosch erwartet keine Marktkonzentration auf wenige Großketten. Die Tiermedizin bleibe vielfältig – mit unabhängigen Praxen, verschiedenen Verbünden und neuen Modellen. Entscheidend wird sein, junge Tierärzt:innen für nachhaltige Entwicklungspfade zu begeistern – nicht durch Gehalt, sondern durch Perspektiven, Teamkultur und echte Beteiligungsmöglichkeiten. Auch der Umgang mit neuen digitalen Tools und KI-Anwendungen werde in den nächsten Jahren ein Differenzierungsmerkmal unter den Verbünden sein.
Mit Konstantin Bosch beginnt bei Veternicum Nesto eine neue Phase: strukturiert, langfristig und praxisnah. Wie erfolgreich dieser Weg sein wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Andreas Moll