"Gestalten statt verwalten": Malte Pfohl und das TGZ List
Wer Malte Pfohl begegnet, merkt schnell: Hier steht jemand, der nicht zwischen Beruf und Berufung unterscheidet. Tiermedizin ist für ihn kein Tätigkeitsfeld mit klar definierten Arbeitszeiten, sondern ein umfassendes Selbstverständnis. Eines, das Verantwortung, fachliches Niveau, Teamarbeit und unternehmerisches Denken miteinander verbindet. Geprägt wurde diese Herangehensweise durch einen ungewöhnlichen Weg – und durch ein medizinisches Vorbild. Bevor Pfohl Tierarzt wurde, arbeitete er viele Jahre im Rettungsdienst, war Ausbilder bei der Johanniter-Unfall-Hilfe und bewegte sich selbstverständlich in Notfallsituationen, Intensivmedizin und klaren Algorithmen. Entscheidungen unter Druck, strukturiertes Vorgehen und Ruhe in kritischen Momenten begleiteten ihn lange, bevor er im OP einer Tierarztpraxis stand.
In der Tiermedizin fand er schließlich einen Mentor, der dieses Denken weiter schärfte: seinen damaligen Oberarzt, von dem er – wie er selbst sagt – „alles Entscheidende gelernt“ habe. Ein Chirurg, der Probleme nicht zerredete, sondern anpackte. Dieses pragmatische, lösungsorientierte Verständnis prägt Pfohls Arbeitsweise bis heute. Je komplexer ein Fall, desto ruhiger wird sein Auftreten. Struktur ersetzt Hektik, Vorbereitung ersetzt Improvisation. Die Entscheidung für die Tiermedizin bezeichnet er rückblickend als die beste seines Lebens – nicht zuletzt, weil sie ihm erlaubt, Wissen anzuwenden statt auswendig zu lernen, und weil sie ihm die Freiheit gibt, Medizin so zu gestalten, wie er sie für richtig hält.
Arbeiten auf Klinikniveau – ohne Klinikzwang
Mit dem Tiergesundheitszentrum List hat Malte Pfohl genau diesen Raum geschaffen. Die Praxis befindet sich in den Räumen einer ehemaligen Tanzschule im hannoverschen Stadtteil List – dort, wo Pfohl aufgewachsen ist und das Umfeld kennt. Auf rund 550 Quadratmetern arbeitet ein gut 20-köpfiges Team in einer Umgebung, die technisch und strukturell Klinikniveau bietet: moderner OP-Trakt, CT, Endoskopie, Zahneinheit, digitale Bildgebung sowie getrennte Behandlungsräume für Hund und Katze.
Den Klinikstatus hat Pfohl bewusst abgelehnt. „Hochwertige Medizin braucht Menschen, die leistungsfähig bleiben – fachlich wie mental“, sagt er. Das TGZ versteht sich nicht als Konkurrenz zu umliegenden Praxen, sondern als Ergänzung. Überweisungen kommen – und gehen bewusst wieder zurück. Transparenz, Verlässlichkeit und Zusammenarbeit stehen im Mittelpunkt.
Moderne Tiermedizin hat ihren Preis
Ungewöhnlich offen spricht Pfohl über die wirtschaftlichen Realitäten moderner Tiermedizin. Neue Gebührenordnungen, steigende Betriebskosten, Materialverschleiß und Investitionen in Technik treffen auf Tierhalter:innen, die zunehmend preisgetrieben entscheiden. Der Spagat zwischen medizinischem Anspruch und Zahlungsbereitschaft ist für ihn eines der zentralen Themen der Branche.
Dabei macht er keinen Hehl daraus, dass er Geschäftsmann ist – und sein muss. Gute Medizin braucht wirtschaftliche Stabilität. Verhandlungsgeschick, kluge Einkaufsstrategien und der Blick über die Grenzen der Tiermedizin hinaus, etwa in den Humanbereich, gehören für ihn ebenso zur Verantwortung eines Praxisinhabers wie chirurgisches Können. Wirtschaftlichkeit ist für ihn kein Gegenpol zur Ethik, sondern deren Grundlage.
Ein starkes Team als Fundament
Wenn Malte Pfohl über das TGZ spricht, spricht er selten über sich allein. „Wir haben hier gerade ein unfassbar gutes Team“, sagt er. Im Alltag zeigt sich, wie klar die Rollen verteilt sind, wie zuverlässig Übergaben funktionieren und wie selbstverständlich Wissen geteilt wird. Fehler werden angesprochen, nicht versteckt. Das schafft Ruhe – auch in stressigen Situationen.
Eine zentrale Rolle nimmt dabei Karina Hürsay ein. Für Pfohl ist sie weit mehr als organisatorische Unterstützung. „Ohne sie würde hier alles zusammenbrechen“, sagt er offen. Karina verantwortet das gesamte Praxis- und Personalmanagement: Dienstpläne, Einstellungen, Einarbeitung, Krankmeldungen, Qualitätsmanagement, Zertifizierungen und viele Prozesse, die im Alltag kaum sichtbar sind, für den reibungslosen Betrieb aber entscheidend. Während Pfohl sich auf OP, Ausbildung und medizinische Weiterentwicklung konzentriert, schafft sie die verlässlichen Rahmenbedingungen. Klare Abläufe, definierte Zuständigkeiten und gelebte Standards sorgen dafür, dass medizinische Qualität überhaupt möglich wird. Karina führt ruhig, klar und konsequent. Neue Mitarbeitende wissen, woran sie sind. Gerade junge Tierärzt:innen und TFAs profitieren von dieser Verlässlichkeit. Sie ist Ansprechpartnerin, Vermittlerin und Rückhalt zugleich – nicht umsonst wird sie intern als „Mutter des TGZ“ bezeichnet.
Während Malte Pfohl sich auf OP, Ausbildung und medizinische Weiterentwicklung konzentriert, schafft Karina Hürsay die verlässlichen Rahmenbedingungen."
Entwicklung statt Schubladendenken
Ein weiteres prägendes Element der Teamkultur ist die gezielte Förderung von Entwicklung. Studierende und junge Tierärzt:innen werden nicht früh festgelegt. Interessen dürfen wachsen, fachliche Schwerpunkte sich im Arbeitsalltag herausbilden. Karina sorgt dafür, dass diese Entwicklung organisatorisch möglich wird, Malte begleitet sie medizinisch – im OP, in Fallbesprechungen und am Patienten. Fortbildung ist dabei kein Privileg, sondern Teil des Alltags. Technik wird geteilt, nicht gehortet. Wer im TGZ arbeitet, soll ausprobieren dürfen, Verantwortung übernehmen, lernen und sich entwickeln. Dieses Zusammenspiel aus Struktur und Vertrauen prägt die Arbeitsatmosphäre spürbar.
Operieren beginnt vor dem OP
Besonders deutlich wird Pfohls Arbeitsweise bei der OP-Vorbereitung. Für ihn beginnt eine Operation nicht am OP-Tisch, sondern deutlich früher – am Rechner. Gerade bei orthopädischen und knöchernen Eingriffen ist die digitale OP-Planung der entscheidende Sicherheitsfaktor. Implantate werden vorab exakt vermessen, Schritte gedanklich durchgespielt, Alternativen mitgedacht. Die eigentliche Operation ist oft kurz – weil die Vorbereitung intensiv war. Chirurgie bedeutet für ihn nicht nur Technik, sondern Denken im Voraus.
Computertomographie mit Vier-Augen-Standard
Auch die Computertomographie versteht man im TGZ nicht als isolierte Untersuchung, sondern als strukturierten diagnostischen Prozess. Moderne Technik ermöglicht hochauflösende Serien bei niedriger Strahlendosis. Bei komplexen Fragestellungen werden CT-Datensätze routinemäßig an externe Radiologie-Diplomates des Teleradiologie- und Teleneurologie-Service von Veheri.com weitergeleitet. Diese Zweitbefundung ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern Ausdruck eines hohen Qualitätsanspruchs. „Man übersieht so viel“, sagt Pfohl offen. Das Vier-Augen-Prinzip ist im TGZ Standard.
Zusammenarbeit über die eigene Praxis hinaus
Neben dem internen Teamgedanken engagiert sich Malte Pfohl für den Zusammenhalt der Praxen und Kliniken in Hannover und Umgebung. Abschottung hält er für den falschen Weg. Zweimal im Jahr bringt er Kolleg:innen der Region zusammen, um Fälle zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und fachliche Themen zu vertiefen. Im Mittelpunkt steht nicht die Größe der Einheit, sondern die Frage, wie Zusammenarbeit im Alltag funktionieren kann – pragmatisch und auf Augenhöhe.
Neue Projekte, klare Richtung
Nach vier Jahren TGZ denkt Malte Pfohl nicht ans Innehalten. Der Erwerb der Immobilie ist für ihn eine strategische Entscheidung. Eine weitere Etage soll künftig Raum für zusätzliche Behandlungs- oder Schulungsflächen, Trainings- und Ausbildungsangebote sowie neue Austauschformate bieten. In die Planung ist auch sein Vater als Architekt eingebunden – fachliche Diskussionen und kleinere Auseinandersetzungen inklusive. Für Pfohl gehört genau das zum Prozess: Dinge zu hinterfragen und gemeinsam besser zu machen.
Neue Projekte entstehen für ihn nicht aus Expansionsdrang, sondern aus dem Wunsch, Strukturen weiterzuentwickeln. Stillstand ist keine Option. Malte Pfohl ist kein Tierarzt, der verwaltet. Er gestaltet – mit Struktur, Leidenschaft und einem klaren Anspruch an moderne Tiermedizin.
Andreas Moll