Vetnio im Praxisalltag: Weniger Tippen, mehr Tiermedizin

Die Anforderungen an Tierärzt:innen sind in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Komplexere Fälle, steigende Erwartungen der Tierhalter:innen, rechtliche Dokumentationspflichten – und zugleich der Wunsch, möglichst viel Zeit dort zu verbringen, wo man eigentlich sein möchte: beim Tier. In der Kleintierklinik Sottrum setzt man deshalb seit einiger Zeit auf einen digitalen Helfer, der genau an dieser Stelle ansetzt: Vetnio, eine KI-gestützte Softwarelösung für Dokumentation und Kommunikation im tierärztlichen Alltag.

KI als stiller Assistent im Behandlungsraum

Kennengelernt hat Klinikleiter Dr. Marco Werhahn Beining das System im Rahmen des regelmäßigen fachlichen Austauschs innerhalb der VUK-Mitglieder. Wie so oft in kollegialen Netzwerken blieb es dabei nicht bei einer Empfehlung: Verschiedene KI-basierte Dokumentationslösungen wurden in Sottrum getestet und miteinander verglichen. Am Ende fiel die Entscheidung bewusst auf Vetnio. „Ich bin wirklich gerne Tierarzt. Genau deshalb will ich meine Zeit nicht abends am Schreibtisch verbringen und versuchen, mir zusammenzureimen, was ich tagsüber alles gesehen und besprochen habe. Wenn mir eine Technologie dabei hilft, Tierarzt zu bleiben, ist sie für mich sinnvoll“, beschreibt Dr. Werhahn Beining seine Motivation.

Vetnio erfasst Gespräche und Untersuchungen in Echtzeit und erstellt daraus automatisch strukturierte medizinische Dokumente – von der Anamnese über Befunde, Therapiepläne, Besitzerberichte und Überweisungsschreiben. Die Dokumentation entsteht während der Behandlung, nicht danach. Gerade in Sottrum, wo überwiegend Überweisungspatient:innen mit langen Vorberichten, komplexer Diagnostik und hoher Erwartungshaltung betreut werden, zeigt sich der Mehrwert einer mitdenkenden, strukturierten Dokumentation besonders deutlich.

Struktur statt Stichwortchaos

Während der Anamnese „hört“ Vetnio mit, filtert Relevantes, ordnet chronologisch und blendet Nebensächlichkeiten aus. Was früher häufig als ungeordneter Textblock endete, liegt nun als klar strukturierter Vorbericht vor. Auch während der klinischen Untersuchung bleibt das System aktiv. In der Augenheilkunde, einem der fachlichen Schwerpunkte von Dr. Werhahn Beining, arbeitet das Team mit individuell angelegten Untersuchungsmasken: von der Allgemeinuntersuchung bis zur detaillierten Beurteilung aller Augenabschnitte. Befunde werden ausgesprochen, für Tierhalter:innen verständlich erklärt und gleichzeitig korrekt dokumentiert.

Am Ende der Konsultation genügt ein Klick: Die KI erstellt den vollständigen Eintrag. Vorbericht, Untersuchung, Problemliste, weiteres Vorgehen, Medikation – ergänzt um einen Abschnitt zur Besitzerkommunikation mit Hinweisen zu Aufklärung, Kostenrahmen und Einverständnissen. Die Aufgabe der Tierärzt:innen beschränkt sich auf die finale Kontrolle.

Zeitgewinn, der mehr ist als Minuten

Der Hersteller spricht von einer Zeitersparnis von rund 30 Prozent. Für Dr. Werhahn Beining greift diese Zahl jedoch zu kurz. „Es geht nicht nur um Zeit. Es geht um Sicherheit, um Qualität und um Kommunikation. Wenn am Ende der Behandlung alles sauber dokumentiert und verständlich formuliert ist, gibt mir das ein enorm gutes Gefühl.“ In der rund 70 Mitarbeitende umfassenden Klinik – darunter etwa 17 Tierärzt:innen – nutzt heute das gesamte ärztliche Team Vetnio. Jede:r arbeitet mit eigenen, fachlich zugeschnittenen Masken. Gerade in der Ophthalmologie arbeitet Dr. Werhahn Beining mit speziell ausgebildeten TFAs als eingespieltes Team. Während früher eine Tierärtliche Fachangestellte (TFA) während des Gesprächs vor allem mitschreiben musste, bleibt heute Zeit, parallel die nächsten diagnostischen oder therapeutischen Schritte vorzubereiten, Materialien bereitzulegen oder Abläufe vorauszudenken. Das schafft Struktur, reduziert Hektik und verbessert die Zusammenarbeit.

Datenschutz und Praxisrealität

Die Nutzung der KI erfolgt unter klaren datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen. Tierhalter:innen werden transparent informiert, unter anderem durch gut sichtbare Hinweise im Empfangsbereich. Die Akzeptanz ist hoch – nicht zuletzt, weil der Nutzen für alle Beteiligten unmittelbar erlebbar ist. Für Dr. Marco Werhahn Beining ist Vetnio kein Zukunftsversprechen, sondern ein Werkzeug, das im Alltag funktioniert. In Sottrum wird sichtbar, wie digitale Systeme Tierärzt:innen dabei unterstützen können, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren: hochwertige Medizin, klare Kommunikation und Zeit für die Patienten.

Andreas Moll