EVDF 2025 in Oslo setzt Maßstäbe in der Zahnheilkunde
Das European Veterinary Dental Forum (EVDF) 2025 in Oslo war mehr als ein Fachkongress – es war ein lebendiges Treffen der internationalen tierzahnmedizinischen Community. Mit 764 registrierten Teilnehmenden – darunter 664 Tierärzt:innen, 58 TFAs sowie 42 Online-Gästen – wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Besonders auffällig: die hohe Zahl deutschsprachiger Teilnehmender. Marnix Lamberts, Congress Manager des EVDF, präsentierte nicht nur die offiziellen Zahlen, sondern prägte mit seiner ruhigen, kollegialen Art das gesamte Kongressgeschehen.
Visiovet-Abend im Kon-Tiki-Museum
Ein besonderer Auftakt gelang am Vorabend des Kongresses auf Einladung von VisioVet: Im legendären Kon-Tiki-Museum kamen Kund:innen und Freund:innen aus aller Welt zusammen – zwischen Expeditionsbooten und Entdeckergeist. „Der Eröffnungsabend war ein echtes Highlight – inspirierend, verbindend und voller Entdeckerlust“, so Dr. Nina Spyra. Auch Dr. Alexander Hendricks zeigte sich begeistert: „Ein einzigartiges Event, das hoffentlich zur Tradition wird.“
Wissenschaft und Begegnung
„Oslo war definitiv eine Reise wert“, resümiert Dr. Michael Hartmann, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Tierzahnheilkunde (DGT). „Das hervorragend organisierte Forum konnte zu Recht einen neuen Teilnehmerrekord feiern – und auch die Größe der deutschen Delegation war rekordverdächtig. Besonders auffällig: Unterschiede im internationalen Umgang mit ethischen Standards. „Gerade in Bereichen wie der Kieferorthopädie fiel auf, dass unsere hohen ethischen Grundsätze in anderen Ländern deutlich großzügiger interpretiert werden“, so Hartmann. Dr. Dietmar Bücheler (Overath) hob insbesondere die Beiträge von Mark Smith (Surgical Management of Maxillofacial Neoplasms, Revision Principles) und John R. Lewis (Cutaneous Reconstruction after Major Maxillectomies) hervor: „Diese Vorträge waren inhaltlich herausragend, chirurgisch hochrelevant und mit beeindruckender Authentizität vorgetragen – echte Fachkompetenz auf höchstem Niveau.“
Mit 764 registrierten Teilnehmenden – darunter 664 Tierärzt:innen, 58 TFAs sowie 42 Online-Gästen – wurde ein neuer Rekord aufgestellt."
Ein Vortrag mit besonderer Relevanz kam aus den USA: Prof. Santiago Peralta (Cornell University) stellte in der Research Session aktuelle Erkenntnisse zur Diagnose des akanthomatösen Ameloblastoms beim Hund vor – einer Neoplasie, die laut Studienlage in bis zu 30 % der Fälle mit einem oralen Plattenepithelkarzinom verwechselt wird. Dr. Martina van Suntum (Tierklinik Germersheim) betont die Bedeutung dieser Forschung: „Die feingewebliche Abgrenzung ist essenziell für die Therapieentscheidung. Die immunhistochemische Bestimmung von Ki-67 als Proliferationsmarker kann helfen, die Tumorentitäten besser zu unterscheiden – da Ki-67 in Plattenepithelkarzinomen signifikant stärker exprimiert wird.“ Auch BRAF VE1-Antikörper und Calretinin wurden von Peraltas Team als mögliche Marker identifiziert, deren Eignung nun weiter erforscht wird. „Diese Erkenntnisse werden mittelfristig Einfluss auf unsere tägliche Praxis haben“, so van Suntum.
Dr. Anna Draschka vom TierZahnZentrum München präsentierte als letzte Referentin im Research Stream ihre Ergebnisse aus drei Jahren Masterarbeit. Ihr Thema: Zahnresorptionen beim Hund – eine Erkrankung, die in der tierzahnärztlichen Praxis häufig vorkommt, aber bislang nur unzureichend erforscht ist. „Trotz ihrer klinischen Relevanz existieren weltweit kaum Literaturquellen, keine standardisierten klinischen Studien und keine offiziellen Empfehlungen zur Einteilung oder Therapie“, erläuterte Draschka. Zahnresorptionen stellen für Tierzahnmediziner:innen eine große diagnostische und therapeutische Herausforderung dar – nicht zuletzt aufgrund der komplexen Klassifikation und der uneinheitlichen Nomenklatur. In ihrer klinischen Studie konnte Draschka eine Vielzahl potenzieller Ursachen statistisch ausschließen, zugleich aber wertvolle Erkenntnisse über Lokalisation, Verteilungsmuster und Progressionsverhalten der Läsionen gewinnen. Ihre Arbeit liefert erstmals belastbare Ansätze für eine praktikable Einteilung und konkrete therapeutische Empfehlungen.
Auch Themen jenseits der klassischen Medizin fanden Raum: Dr. Crina Dragu (MRCVS) wurde mit dem Cecilia Gorrel Award für die beste Präsentation ausgezeichnet – für ihren Vortrag zu „Human Factors in der Tierzahnmedizin“. „Dass ein nicht-medizinischer Beitrag diesen Preis erhält, ist ein starkes Signal für die zunehmende Relevanz systemischer Arbeitsbedingungen“, so Dragu.
"Die Tierzahnheilkunde ist kein Underdog mehr!"
Neben den Vorträgen war es vor allem der persönliche Austausch, der in Erinnerung bleibt. „Die Tierzahnheilkunde ist kein Underdog mehr – dieses Wochenende hat das eindrucksvoll gezeigt“, sagte Serafine Curtiss. Für Dr. Benjamin Metje war es die Mischung aus hochkarätigem Inhalt und vertrauter Atmosphäre: „Fachlich top, menschlich nah.“ Dr. Franziska Werhahn Beining schwärmt rückblickend: „Neben den starken Vorträgen und den vielen neuen Impulsen war das Gala-Dinner ein echtes Highlight – wir haben bis zum Schluss getanzt.“
Marnix Lamberts, Congress Manager des EVDF, prägte mit seiner ruhigen, kollegialen Art das gesamte Kongressgeschehen."
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Das nächste European Veterinary Dental Forum findet vom 7. bis 9. Mai 2026 in Porto statt – sehr viele haben sich den Termin bereits vorgemerkt.
Andreas Moll