Monoklonale Antikörper – ein moderner Baustein im Management der kaninen Osteoarthrose
Osteoarthrose (OA) ist mit einer Prävalenz von bis zu 40 %1-3 eine häufig vorkommende chronische Erkrankung bei Hunden und eine der Hauptursachen für chronischen Schmerz.4 Neben traditionellen Therapieansätzen, wie nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAIDs), haben sich in den letzten Jahren monoklonale Antikörper (mAk) als innovative Option im multimodalen OA-Management etabliert.
Das Wirkprinzip: Blockade des Nervenwachstumsfaktors
Im von Osteoarthrose betroffenen Gelenk wird der Nervenwachstumsfaktor (NGF) freigesetzt, der an TrkA-Rezeptoren peripherer Nervenendigungen bindet und so das Schmerzsignal auslöst. Monoklonale Antikörper sind hochspezifische Immunproteine, die sich gezielt an den NGF binden und ihn neutralisieren. Dadurch wird die Weiterleitung des OA-assoziierten Schmerzes unterbrochen. Sie greifen damit an einem anderen Punkt, der sogenannten „inflammatory soup“, an als beispielsweise NSAIDs.
Besonderheiten und Einordnung in die Praxis
Therapeutische mAk werden biotechnologisch hergestellt und im Körper langsam über lysosomale Prozesse zu Aminosäuren abgebaut. Ihre lange Halbwertszeit ermöglicht eine anhaltende Wirkung nach einmaliger Injektion. Da ihr Abbau nicht von der Leber- oder Nierenfunktion abhängt, eignen sie sich insbesondere für geriatrische und multimorbide Hunde, aber auch für junge Patienten mit langfristigem Therapiebedarf. Dr. Christina Mayer, Fachtierärztin für Kleintiere und Medical Lead bei Zoetis Deutschland, betont: „Monoklonale Antikörper ermöglichen eine hochgradig zielgerichtete Schmerztherapie und eröffnen neue Perspektiven im langfristigen Management chronischer Erkrankungen wie der Osteoarthrose.“
Mit Bedinvetmab (Librela®) steht für den Hund ein speziell entwickelter monoklonaler Antikörper zur Linderung von OA-bedingten Schmerzen zur Verfügung.5 Internationale Leitlinien (WSAVA,6 AAHA,7 COAST8) empfehlen sowohl NSAIDs als auch anti-NGF-Antikörper als gleichwertige Erstlinientherapien bei OA-Schmerz. Die Wahl der Therapie sollte individuell unter Berücksichtigung von Vorerkrankungen, Compliance und Präferenzen der Tierhaltenden erfolgen. Bedinvetmab bietet durch die monatliche Injektion Vorteile hinsichtlich der Therapietreue,9 während NSAIDs weiterhin eine bewährte Option darstellen.
mAk-Fallbeispiel aus dem Praxisalltag: Hündin Snickers‘ Weg zurück in die Bewegung
Wie sich eine moderne, individuell angepasste Schmerztherapie auf die Lebensqualität auswirken kann, zeigt das Fallbeispiel der Hündin Snickers. Bereits im Alter von zweieinhalb Jahren zeigten sich bei der ansonsten sehr aktiven Hündin erste Anzeichen Arthrose-bedingter Schmerzen. Die weiterführende Diagnostik ergab eine Osteoarthrose in beiden Ellbogengelenken. In den folgenden Jahren wurde ein breites Spektrum an therapeutischen Maßnahmen eingesetzt, darunter Physiotherapie, Stoßwellentherapie sowie verschiedene schmerzlindernde Medikamente. Der Therapieerfolg blieb jedoch wechselhaft, teils traten Nebenwirkungen auf, teils kam es trotz Behandlung zu schmerzhaften Rückfällen mit deutlichen Einschränkungen im Alltag.
Erst die Umstellung auf eine langanhaltende, monatliche anti-NGF-Therapie mit Bedinvetmab führte zu einer nachhaltigen Verbesserung. Die Schmerzen nahmen deutlich ab, Snickers gewann ihre Bewegungsfreude schrittweise zurück und konnte wieder aktiv am Alltag teilnehmen. Heute ist sie über zehn Jahre alt und profitiert – ergänzt durch gelenkschonende Ernährung und Physiotherapie – von einer stabilen Lebensqualität. Das Fallbeispiel unterstreicht die Bedeutung einer individuell angepassten, langfristig angelegten Schmerztherapie bei OA und das Potenzial einer durch monoklonale Antikörper gestützten Behandlung.
Wie monoklonale Antikörper sinnvoll eingesetzt, kombiniert und überwacht werden können, steht im Fokus eines weiterführenden Webinars. Dort vertiefen Expert:innen die Hintergründe und geben praxisnahe Einblicke. Melden Sie sich über den folgenden Link direkt an. [PL1] Einfach QR-Code scannen und zum Webinar anmelden![PL2]
- 1. Wright A., et al. (2022), JSAP, 1–10 DOI: 10.1111/jsap.135001
- 2. ZMR: OA Landscape & Chart Pull Study, May 2023, Kynetec
- 3. Enomoto M., et al (2024), SciRep. 2024 Feb 3;14(1):2827
- 4. Handbook of Small Animal Anesthesia and pain Mgt (2nd edition) page 393
- 5. Corral et al. (2021), Vet Anaesth Analg. 48: 943-955
- 6. Monteiro et al. (2023), J Small Anim Pract 64(4):177-254.
- 7. Gruen et al. (2022), JAAHA. 58(2):55-76.
- 8. Cachon et al. (2023), Front Vet Sci. 10:1137888
- 9. Gildea E et al. (2024) Animals (Basel),14(15):2231.