Buch-Tipp: „Die Hundesprechstunde“ – Verständliche Tiermedizin für zu Hause
Wenn ein Hund krank wird, zählt vor allem eines: Sicherheit. Doch viele Halter:innen fühlen sich im Ernstfall überfordert – zwischen Googeln, Bauchgefühl und der Frage, ob ein Notfall vorliegt oder nicht. Genau hier setzt das neue Buch von Dr. Christian Nees und Dr. Christine Nees an. Die beiden erfahrenen Tierärzt:innen bündeln darin ihr geballtes Praxiswissen aus 35 Jahren Klinikarbeit (Christian) und 25 Jahren Kleintierpraxis (Christine) und schaffen ein Nachschlagewerk, das Orientierung, Klarheit und echte Entscheidungshilfe bietet.
Warum dieses Buch entstanden ist ...
Als Christian Nees mit 64 Jahren aus der Klinik ausschied, stand er plötzlich vor der Frage: „Was mache ich jetzt?“ Die Antwort lag nahe: Endlich jenes Buch schreiben, das er seit Jahren im Kopf hatte – ein Werk, das die häufigsten Erkrankungen, Fehlerquellen und Behandlungswege so erklärt, dass Hundehalter:innen kompetent, ruhig und gut informiert handeln können. Seine Frau Christine schrieb selbstverständlich mit. Die beiden beschreiben detailliert, wie Erkrankungen heute diagnostiziert und behandelt werden sollten und formuliert im Gespräch sehr deutlich: „Viele Fehler passieren, weil Diagnostik ausgelassen wird.“ Er schildert Fälle, in denen Hunde monatelang mit falschen Ohrmedikamenten behandelt wurden - ohne Abstrich, ohne Labor, ohne Blick auf die Haut. Genau diese wiederkehrenden Beobachtungen haben ihn angetrieben, das Buch zu schreiben. Dabei geht es ausdrücklich darum, Halter:innen zu befähigen, die richtigen Fragen zu stellen und Warnsignale zu erkennen. Der Staat-of-the-Art der Tiermedizin wird verständlich erklärt mit klaren Fakten.
Hilfe zur Selbsthilfe
Das Buch folgt einem Leitmotiv, das im Interview immer wieder anklingt: Hilfe zur Selbsthilfe. Viele Situationen, so Nees, sind kein Notfall. Zwei rote Augen nach einem Waldspaziergang? Meist harmlos. Ein hinkender Hund nach dem Rennen? Genau hinsehen. Heftiges Augenkneifen nach Aufprall? Sofort in die Tierarztpraxis. Diese Unterscheidungen vermitteln die beiden so, dass Laien sie schnell nachvollziehen können. Auch alltägliche Handgriffe – Verbände anlegen, Pfoten kontrollieren, Wunden versorgen – werden Schritt für Schritt erklärt. Zahlreiche Fotos und Illustrationen machen das Gelesene sichtbar. Ziel ist es, Sicherheit zu vermitteln, ohne falsche Selbstbehandlung zu fördern. Interessanterweise richtet sich das Werk nicht nur an Hundehalter:innen. Schon jetzt melden sich zahlreiche Tierärzt:innen, die das Buch kaufen – nicht für sich selbst, sondern für ihre Kundschaft. Das Buch entlastet das Team, weil viele Anrufe im Notdienst gar nicht nötig wären. Auch Tiermedizinische Fachangestellte greifen gern dazu, weil es Grundlagen, Symptomlehre und Abläufe verständlich zusammenfasst.
Verlag, Preis und Motivation
Erschienen ist „Die Hundesprechstunde“ im Kosmos Verlag, der großen Wert darauf legte, den Preis niedrig zu halten:
28 Euro – für ein über 300 Seiten starkes, reich bebildertes Praxisbuch. Für Christine und Christian Nees ist das Buch eine Herzensangelegenheit und eine eine Art Vermächtnis ihrer jahrzehntelangen Arbeit – und ein Werkzeug, um Missverständnisse, Fehleinschätzungen und unnötiges Tierleid zu vermeiden.
Andreas Moll