Kaltplasma in der tierärztlichen Praxis – Erfahrungen aus dem Robbenzentrum Föhr

Seit vielen Jahren leite ich das Robbenzentrum auf Föhr und betreibe parallel eine kleine Tierarztpraxis, in der Wildtiere, Kleintiere, Schafe, Ziegen und Vögel behandelt werden. In einer 1-Personen-Praxis braucht es Verfahren, die verlässlich, zeitsparend und möglichst schonend sind. Seit rund fünf Jahren nutze ich ein Kaltplasma-System (AMAMUS Vet) – vor allem bei Wundheilung und Infektionen – und möchte meine praktischen Erfahrungen einordnen. Zwei Effekte stehen für mich im Vordergrund: Keimkontrolle & Förderung der Granulation

1. Keimkontrolle auch in tieferen Gewebsschichten: Bei stark nässenden oder infizierten Wunden sehe ich häufig, dass sich innerhalb weniger Tage das Exsudat deutlich reduziert. Mein Eindruck: Wenn durch die Plasmabehandlung die Keimlast sinkt, muss der Körper weniger Sekret produzieren, um Keime auszuschwemmen. Ähnliche Entwicklungen beobachte ich bei Abszessen, nässenden Dermatosen sowie bei Otitis externa und media. In vielen Fällen kann ich auf systemische Antibiotika verzichten.

2. Förderung der Granulation: Bei chronischen oder großflächigen Wunden fällt auf, dass die Bildung von Granulations- und Epithelgewebe sichtbar schneller voranschreitet. Gerade nach langen Heilungsverläufen wirkt dieser Effekt oft klinisch relevant – auch nach fünf Jahren überrascht mich die Dynamik teilweise noch.

Das Verfahren begleitet mich in fast allen tiermedizinischen Bereichen:

  • Robben & Seehunde: tief infizierte oder verunreinigte Wunden, Bissverletzungen, Augenprobleme Bei Wildtieren ist es hilfreich, rasch keimarme Bedingungen zu schaffen – idealerweise ohne belastende systemische Medikamente.

  • Schafe & Ziegen: Klauenprobleme wie Moderhinke, entzündliche Hautveränderungen, Wunden nach Verletzungen

  • Hunde & Katzen: Hotspots, Leckekzeme, Pododermatitis, Krallen- und Ballenprobleme, tief infizierte Wunden. Bei einigen dermatologischen Fällen – etwa eosinophilen Granulomen – konnte ich inzwischen die Gabe von Immunsuppressiva reduzieren oder ganz vermeiden.

  • Vögel: Krallenprobleme, Dermatitis in Achselregionen, kleinere Verletzungen

  • Ohrenpatienten: Besonders deutlich sehe ich Effekte bei Otitis externa und media. Während der letzten Wochen konnte ich zahlreiche Fälle ohne Antibiotika behandeln; nur in zwei Ausnahmefällen war initial ein kortisonhaltiges Präparat nötig, um massive Schwellungen zu reduzieren.

Weniger Antibiotika, weniger Kortison

Ein zentraler Punkt in meiner Praxis ist die deutliche Reduktion von Antibiotika und Kortison. Gerade in der Wildtiermedizin ist das relevant – Resistenzentwicklung, Rückstände und die oft eingeschränkten Möglichkeiten systemischer Therapien spielen hier eine große Rolle. Das Kaltplasma-Verfahren ersetzt nicht jede klassische Therapie, erleichtert aber in vielen Fällen den Verzicht auf systemische Medikamente. Nach fünf Jahren lässt sich sagen: Das Verfahren hat sich in meiner täglichen Arbeit fest etabliert – nicht als „Wundermittel“, sondern als verlässliche Ergänzung im Management von Infektionen und Wunden. Besonders dort, wo Antibiotikaeinsparung ein zentrales Ziel ist oder wo eine medikamentenarme Behandlung sinnvoll erscheint, hat sich der Einsatz bewährt.