Clinical Talk mit Dr. Oliver Harms: Zwischen Hype und Evidenz - Osteoarthritis-Therapien im Faktencheck
Einschalten, Anschauen, Anwenden
Unter diesem Motto bietet Ihnen der Clinical Talk kompakt und praxisnah neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in Form von Kurz-Videos. Referent: Dr. Oliver Harms, Diplomate ACVSMR und ECVSMR (Sport- und Rehabilitationsmedizin), Fachtierzentrum für Kleintiermedizin Langenhagen.
Die Osteoarthritis des Hundes ist eine progressive Erkrankung, die in weiten Teilen noch der Erforschung bedarf. Diagnose und Therapie sollten multimodal erfolgen. So gibt es nicht „die“ Therapie, sondern eine dem Status des Patienten angepasste Therapie. In letzter Zeit wird unter Expert:innen sowie in den Medien diskutiert, dass der Einsatz von monoklonalen Antikörpern zu progressiveren Osteoarthritis-Verläufen beitragen kann. Unter dem Titel „Zwischen Hype und Evidenz“ widmet sich der Clinical Talk mit Dr. Oliver Harms Osteoarthritis-Therapien im Faktencheck.
Zunächst räumt Dr. Oliver Harms mit der These auf, Bewegung könne Hunden mit einer Osteoarthritis schaden. Im Gegenteil: Altersgerechte, gezielte Bewegung hat nach seiner Einschätzung sowohl bei Welpen als auch bei älteren Hunden einen positiven Effekt auf den Bewegungsapparat. Zur Diagnose einer Osteoarthritis empfiehlt der Sport-und Rehabilitationsmediziner einen multimodalen Ansatz. Neben Röntgenaufnahmen und Ganganalysen sollten standardisierte Befundbögen sowie regelmäßige Verlaufskontrollen unter Einbeziehung der Tierhalter:innen eingesetzt werden, um die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, zu monitoren und zu therapieren.
In der Therapie einer Osteoarthritis gelten NSAIDs für ihn weiterhin als Mittel der Wahl zur Kontrolle von Entzündungsprozessen. Bei einer Langzeittherapie betont er die Bedeutung der „lowest effective dose“ von Meloxicam und verweist auf die Möglichkeit, z.B. Antiepileptika als Add-on zur gezielten Vertsärkung der Schmerztherapie zu verwenden. Hinsichtlich einer Kombination von NSAIDs und monoklonalen Antikörpern (MOABs) betont Dr. Oliver Harms, dass es bislang keine tiermedizinischen Studien zu diesem Thema gibt. Aus der Humanmedizin ist jedoch bekannt, dass die genannte Kombination zu einer progressiven Osteoarthritis führen kann.
Vor dem Einsatz von MOABs rät er grundsätzlich zu einer intensiven orthopädischen Untersuchung und einer sorgfältigen Risiken-Nutzen-Abwägung. Hintergrund ist die zunehmende Zahl an Berichten über muskuloskelettale Nebenwirkungen unter MOAB Monotherapien. Aus diesem Grund hat das CVMP auch die Durchführung weiterer Untersuchungen zu möglichen unerwünschten Nebenwirkungen (MSAER) angeordnet, deren Ergebnisse abzuwarten bleiben.
Altersgerechte, gezielte Bewegung hat nach seiner Einschätzung sowohl bei Welpen als auch bei älteren Hunden einen positiven Effekt auf den Bewegungsapparat."
ATF-Anerkennung: Es besteht die Möglichkeit, auf www.clinicaltalk.de für 3 angesehene Folgen eine ATF-Fortbildungsstunde zu erwerben. (Wichtig: Immer für 3 Folgen das gleiche Gerät nutzen.)
Kosten: Die Teilnahme ist für Tierärzt:innen kostenlos
Link: www.clinicaltalk.de, Passwort: Clintalk!21 (Fachkreis-exklusiv, keine Weitergabe an Laien)