Gastroenterologie lebt vom Dialog

Dr. Kathrin Busch-Hahn über die Rolle der Gastroenterologie in der Tiermedizin.

Dr. Kathrin Busch-Hahn, Dipl. ECVIM-CA Internal Medicine und EBVS® European Specialist in Small Animal Internal Medicine, leitet an der Kleintierklinik der LMU München den Bereich Gastroenterologie – und steht seit vier Jahren an der Spitze der AG Gastroenterologie der DGK-DVG. Im Gespräch mit HUNDERUNDEN zeigt sie, wie Forschung, Praxis und Industrie gemeinsam dazu beitragen können, das Verständnis von Verdauung, Stoffwechsel und Gesundheit auf ein neues Level zu heben.

Ein Netzwerk für Austausch, Forschung und Praxisnähe

„Die AG ist im Kern ein Ort des Austauschs“, sagt Busch-Hahn. Rund 70 Mitglieder gehören ihr an – von jungen Kliniker:innen bis zu internationalen Größen. Gemeinsam denken sie Gastroenterologie weiter. Informell, kollegial, vernetzt. Der größte Mehrwert? Interdisziplinäre Perspektiven. Viele der Ideen entstehen aus klinischen Fragestellungen: Warum nehmen bestimmte Hunde trotz identischer Diät nicht ab? Warum sind manche Katzen mit Asthma kaum stabil einzustellen? Und wie lässt sich beides durch Modulation des Mikrobioms beeinflussen? Die AG hilft, Kontakte zu knüpfen, Multicenter-Studien aufzubauen und Expertise zu bündeln. Konkurrenz zwischen Universitäten? „Die Zeiten sind vorbei“, so die Gastroenterologin. „Wir wollen gemeinsam vorankommen.“

Treffpunkt für Spezialist:innen – und alle, die es werden wollen

Einmal im Jahr, jeweils donnerstags vor dem DVG-Kongress, richtet die AG gemeinsam mit der Fachgruppe Tierernährung ihren großen Gastro-Precongress aus. Zentrales Thema des diesjährigen Kongresses: das Mikrobiom und seine Wirkung weit über den Magen-Darm-Trakt hinaus. Busch-Hahn spricht von einem Paradigmenwechsel: „Früher haben wir uns vor allem angesehen, welche Bakterien vorhanden sind. Heute interessiert uns, was sie tun, welche Stoffwechselprodukte sie bilden, wie sie mit dem Immunsystem kommunizieren und wie sie Krankheiten beeinflussen.“ Dabei geht es nicht nur um gastrointestinale Erkrankungen, sondern auch um systemische Zusammenhänge: Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Adipositas, endokrine und sogar neuropsychiatrische Erkrankungen werden zunehmend mit Veränderungen des Mikrobioms in Verbindung gebracht. Ein zentrales Thema ist dabei der Einfluss von Antibiotika: „Wir wissen, dass Antibiotika das Mikrobiom massiv stören können – teilweise dauerhaft. Manche Tiere finden nicht mehr zu einer gesunden Balance zurück. Das zwingt uns, den Einsatz noch sorgfältiger abzuwägen“, erklärt Busch-Hahn. „Es geht nicht um Verzicht, sondern um Bewusstsein.“

Der Saal war voll, über 200 Teilnehmende. Und Busch-Hahn legt Wert darauf zu betonen: „Dieser Tag ist für alle da. Nicht nur für Gastroenterolog:innen – für alle, die tiefer einsteigen wollen.“ Wer zuhört, versteht schnell: Genau diese Zugänglichkeit ist ihr wichtig. Gastroenterologie ist für sie kein Elfenbeinturm, sondern ein Werkzeugkasten für jede tierärztliche Praxis. „Man muss nur damit klarkommen, dass wir sehr viel über "Kacke" reden“, sagt sie lachend.

Wissenschaft im Dialog

Dr. Kathrin Busch-Hahn plädiert für mehr Zusammenarbeit – nicht nur zwischen Kliniken, sondern auch mit der Industrie und praktizierenden Tierärzt:innen: „Wir haben alle das gleiche Ziel: gesunde Tiere. Universitäten, Praxen und Industrie bringen unterschiedliche Stärken mit. Wenn wir diese bündeln, entsteht echter Fortschritt.“ Finanzielle Unterstützung aus der Industrie hält sie für legitim, solange sie verantwortungsvoll eingesetzt wird: „Ohne Sponsoring wären viele Studien gar nicht möglich. Wichtig ist, dass Forschung unabhängig bleibt.“

Es gibt viele Momente im Gespräch, in denen ihre Leidenschaft unmittelbar spürbar ist. Vielleicht ist es genau das, was so viele Kolleg:innen motiviert, sich der AG anzuschließen oder den Precongress erstmals zu besuchen. Busch-Hahn lacht, als sie sagt: „Mission erfüllt“, nachdem sie einem eigentlich gastro-skeptischen Tierarzt Lust auf das Thema gemacht hat. Für den 28. Oktober 2026 ist das nächste Treffen bereits geplant - wieder mit internationalen Gästen, wieder mit Themen, die über den Tellerrand hinausblicken. Das Schwerpunktthema wird noch festgelegt. Aber klar ist jetzt schon: Das Interesse wächst.

PS: Aufnahmeantrag der DVG. Es können Arbeitskreise und Arbeitsgruppen gewäht werden, die in den Ausschüssen der DVG mitarbeiten.

Andreas Moll