"Happy Birthday, BfT!" - 40 Jahre im Dienste der Tiergesundheit
Seit 40 Jahren steht der Bundesverband für Tiergesundheit e.V. (BfT) im Zentrum einer Branche, die für die Gesundheit von Tieren – und damit auch für die Gesundheit von uns Menschen – von entscheidender Bedeutung ist. Als Interessenvertretung der führenden Hersteller von Tierarzneimitteln, Impfstoffen, Diagnostika und Futterzusatzstoffen in Deutschland begleitet der Verband nicht nur den medizinischen Fortschritt, sondern gestaltet ihn aktiv mit. Der BfT blickt nicht nur auf vier Jahrzehnte wissenschaftlicher Innovation und gesundheitspolitischer Verantwortung zurück, sondern richtet den Fokus klar nach vorn: auf zukunftsorientierte Tiergesundheitskonzepte, verlässliche und wissenschaftsbasierte Rahmenbedingungen sowie einen offenen Dialog mit Politik, Wissenschaft, Tierärzteschaft, Landwirtschaft und Gesellschaft. Anlass genug, mit Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des Verbandes, über Erreichtes, aktuelle Herausforderungen und die Rolle der Tiergesundheit in einer sich wandelnden Welt zu sprechen.
Liebe Frau Dr. Schüller, lassen Sie uns mit der klassischen Einstiegsfrage beginnen: Was genau ist die Aufgabe des Bundesverbands für Tiergesundheit, und welche Unternehmen vertreten Sie?
Dr. Schüller: Der Bundesverband für Tiergesundheit versteht sich als Partner zum Schutz der Tiergesundheit. Wir vertreten die führenden Hersteller von Tierarzneimitteln und Futterzusatzstoffen in Deutschland – Unternehmen, die den Tierärztinnen und Tierärzten aus dem Praxisalltag gut bekannt sind. Unsere Mitgliedsunternehmen erforschen, entwickeln und produzieren Impfstoffe, Pharmazeutika, Diagnostika sowie weitere Gesundheitslösungen. Kurz gesagt: alles, was den tiermedizinischen Fortschritt braucht, um Tiergesundheit langfristig zu sichern. Mit Innovationen ebenso wie mit bewährten Produkten tragen wir zur Gesundheit und zum Wohlergehen von Nutz-, Klein- und Heimtieren bei.
Viele unserer Leser:innen öffnen dieses Interview vermutlich in einer kurzen Verschnaufpause zwischen zwei Behandlungen oder nach einem langen Praxistag. Was würden Sie jemandem sagen, der die Arbeit des BfT bisher eher am Rande wahrnimmt?
Dr. Schüller: Tiergesundheit ist nie Hintergrund – weder für die Praxis noch für uns als Verband. Vieles von dem, woran wir arbeiten, prägt den Berufsalltag ganz unmittelbar: etwa wenn innovative Impfstoffe oder Diagnostika schneller verfügbar werden, wenn Zulassungsprozesse praxistauglicher gestaltet sind oder wenn es um ein realistisches Tiergesundheitsmanagement geht, das alle therapeutischen Optionen erhält. Wir setzen uns für faktenbasierte und verlässliche Rahmenbedingungen ein – für die Unternehmen ebenso wie für die Tierärztinnen und Tierärzte. Darauf aufbauend können unsere Mitgliedsunternehmen Forschung und Entwicklung vorantreiben und ihr Produktportfolio kontinuierlich weiterentwickeln. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Versorgungssicherheit. Der Anspruch unserer Mitgliedsunternehmen ist es, Tierärzt:innen vor Ort in ihrem täglichen Engagement für Tier und Halter verlässlich, fortschrittlich und wissenschaftlich fundiert zu unterstützen. Was auf den ersten Blick vielleicht fern vom Praxisalltag wirkt, erweist sich bei genauerem Hinsehen oft als sehr praxisnah.
Wie ist der BfT organisiert und welche Themen beschäftigen Ihre Mitglieder aktuell am meisten?
Dr. Schüller: Der Verband wurde 1986 gegründet und ist heute sowohl auf nationaler als auch auf europäischer und globaler Ebene aktiv. Dabei arbeiten wir eng mit unserem europäischen Dachverband AnimalhealthEurope sowie dem Weltverband HealthforAnimals zusammen. Kernbereiche unserer Arbeit sind die Vorgaben rund um Zulassung und Anwendung von Tierarzneimitteln. Hinzu kommen übergeordnete Fragestellungen wie die Antibiotikaresistenz. Auch Anforderungen aus dem Chemikalien- und Umweltrecht beschäftigen uns zunehmend. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt auf Innovationen und der Entwicklung zukunftsfähiger Tiergesundheitskonzepte – insbesondere mit Blick auf Prävention und nachhaltiges Wirtschaften. Dabei spielen die frühzeitige Diagnostik und die Immunprophylaxe eine immer größere Rolle.
Wie definieren Sie „Tiergesundheit“ heute – geht das über die reine Arzneimittelversorgung hinaus?
Dr. Schüller: Auf jeden Fall. Für uns bedeutet Tiergesundheit nicht nur die Behandlung akuter Erkrankungen, sondern ein umfassendes Gesundheitsmanagement mit einem klaren Fokus auf Prävention und ganzheitliches Wohlbefinden der Tiere. Dazu gehören verantwortungsvolle Tierhaltung, sinnvolle Präventionsmaßnahmen und – im Sinne des One-Health-Ansatzes – das Zusammenspiel von Tiergesundheit, Umwelt und menschlicher Gesundheit. Tiergesundheit heißt für uns nicht einfach, Krankheit zu heilen, sondern Gesundheit dauerhaft zu gewährleisten.
Wie können Tierärzt:innen von Ihrer Arbeit profitieren – direkt oder indirekt?
Dr. Schüller: Ganz konkret profitieren Tierärztinnen und Tierärzte davon, dass unsere Mitgliedsunternehmen sichere, wirksame und geprüfte Arzneimittel, Impfstoffe und Diagnostiklösungen bereitstellen. Das gibt ihnen verlässliche Werkzeuge für die tägliche Praxis. Darüber hinaus setzen wir uns für stabile, innovations- und wettbewerbsfreundliche Rahmenbedingungen ein, die langfristig eine breite Verfügbarkeit und kontinuierliche Weiterentwicklung tiergesundheitsrelevanter Produkte in Deutschland ermöglichen. Durch unseren Dialog mit Politik und Wissenschaft tragen wir außerdem dazu bei, dass Regelwerke und Gesetze möglichst praxisnah gestaltet werden und Planungssicherheit im beruflichen Alltag bieten.
Welche Themen werden den BfT in den kommenden Jahren besonders prägen?
Dr. Schüller: Ich sehe drei große Themen. Erstens den weiteren Fortschritt in der pharmazeutischen Entwicklung und den Einsatz moderner Technologien für Haus- und Nutztiere. Zweitens wird Tiergesundheit im Kontext nachhaltiger Tierhaltung und verantwortungsbewusster Landwirtschaft weiter an Bedeutung gewinnen. Drittens der One-Health-Gedanke: Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Umwelt und öffentliche Gesundheit wachsen weiter zusammen – insbesondere in den Bereichen Prävention, Zoonosen, Antibiotikaanwendung sowie globale Tier- und Lebensmittelsicherheitsfragen. In all diesen Facetten wird es entscheidend sein, die tiermedizinischen Berufe zu stärken.
Und was wünschen Sie sich vom Dialog zwischen Industrie, Tierärzteschaft und Gesellschaft – gerade vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen?
Dr. Schüller: Offenheit, Vertrauen und gegenseitiges Verständnis sind zentral. Nur ein sachlicher und transparenter Dialog darüber, was Tiergesundheit heute bedeutet, bringt uns weiter. Wir setzen auf eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Industrie, Tierärzt:innen, Wissenschaft und Gesellschaft, damit Innovationen Akzeptanz finden und Tiergesundheit zum Nutzen von Tieren, Menschen und Umwelt konsequent weiterentwickelt wird.